DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN Fürst Moritz Josef 1775-1819 Rolle bei den für Goethe so wichtigen Kunststudien spielte und dem Dichter gleichzeitig Beziehungen zur literarischen Szene verschaffte. Dieser Liechtensteiner war eine recht schillernde Persönlichkeit. Seine Familie hatte ihn, den Zweitge- borenen, für die Kirche bestimmt, obwohl sein Cha- rakter offensichtlich keineswegs dazu passte. Nach seinen Theologiestudien in Rom wurde er Domherr in Salzburg, liess sich dann säkularisieren, trat in der Folge eine ihm viel eher zusagende Militärlauf- bahn an, nahm an verschiedenen Kämpfen teil und brachte es sogar zum Generalmajor. Diese ausserge- wöhnliche Karriere könnte sicherlich den Stoff eines Romans bilden, aber dieser Roman blieb bisher un- geschrieben! 
Für die Identität des nächsten Gliedes in dieser Geschwisterkette, Fürst Moritz Josef, gibt es in be- zug auf Goethe kein Problem, da der Dichter ihn in seinen Schriften mit dem Vornamen nennt. Dieser Liechtensteiner war es, der mit Goethe den engsten Kontakt hatte. Moritz Josef war ein prominenter Militär unter Kai- ser Franz; nachdem er im Laufe der Jahre an vielen Feldzügen teilgenommen hatte, wurde er 1809 auf dem Schlachtfeld zum Feldmarschalleutnant beför- dert. Im Jahre 1810 suchte er mit seiner Gemahlin Leopoldine Karlsbad auf, um sich von den Strapazen des Krieges, während dessen er auch verwundet worden war, zu erholen. Hier machte das Fürsten- paar die Bekanntschaft mit Goethe, und schon bei diesen ersten Begegnungen entfaltete sich ein herz- liches Verhältnis, wie Goethes Tagebuch bezeugt.1"6 97) Friedrich Noack, Aus Goethes römischen Kreise, Goethe-Jahr- buch, 25. Bd., 1904; siehe Abschnitt «Goethe und die Arkadia», S. 196-207 (hier S. 197). 98) Falke, III, S. 344. 99) Noack, a.a.O., S. 197 f. 100) Der Vortrag wurde im August 1987 anlässlich der Präsentation des von Volker Press und Dietmar Willoweit herausgegebenen Buches «Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ordnung» (vgl. Anm. 1) in Vaduz gehalten. Der erweiterte Text wurde in JBL 87 [1989], S. 39-76, veröffentlicht. 101) Der österreichische Kardinal Graf von Hrzan, kaiserlicher Ge- sandter beim Heiligen Stuhl, erstattete dem österreichischen Staats- kanzler Graf Kaunitz Berichte über Goethes Tätigkeiten in Rom (vgl. Press. a.a.O.. S. 42 u. 47). 102) WA, IV, 8, S. 77 f. 103) Ebda, S. 67 bzw. S. 84. 104) Vgl. Robert Steiger, Goethes Leben von Tag zu Tag, Bd. 2. Zürich u. München 1983. S. 566 (unter 19. 12. 1786). (Diese Stelle ist nicht in der Weimarer Ausgabe von Goethes Tagebüchern enthalten, welche die betreffende Zeit nicht ausführlich umfasst.) Vgl. auch Press. a.a.O., S. 46 und Anm. 30, wo das Jahr fälschlich als 1787 angegeben wird. 105) WA, I, 30, S. 224. In Goethes Notizen unter dem Titel «Studien zur Weltliteratur» findet sich folgende Bemerkung: «Das erste Ver- hältnis zu Monti. Durch Fürst Liechtenstein» fWA, I, 42.2, S. 492). 106) WA, III, 4, S. 133-140. Vgl. auch Falke, III, S. 353 f.; Johannes Urzidil. Goethe in Böhmen, Zürich u. Stuttgart 1962, S. 51 (Urzidil gibt allerdings ein falsches Jahr für die Begegnung an); Press, S. 61 ff. 117
        

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