DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN Fürst Karl 1765-1795 Ein Fürst Karl Borromäus von Liechtenstein, Bruder der Gräfin Harrach, wurde von Heinrich Düntzer als der Verbindungsmann Goethes in Rom genannt,'4 aber diese Spur erwies sich in der Folge als völlig falsch. (Näheres siehe nächsten Abschnitt.) Die Witwe des Fürsten Karl (der mit nur 30 Jahren in einem Duell starb), Fürstin Anna (geb. Gräfin Khevenhüller-Metsch) lernte Goethe zu einem späte- ren Zeitpunkt kennen. Bei einem Kuraufenthalt im Jahr 1806 in Karlsbad schrieb Goethe in sein Tage- buch unter dem Datum 7. Juli: «Nachher gegen das Posthaus spatzieren. Mit der Fürstin Carl Lichten- stein zurück.»"' Anscheinend sind keine weiteren Begegnungen aufgezeichnet. 
Fürst Josef Wenzel 1767-1842 Während seines Rom-Aufenthalts im Jahr 1786 pflegte Goethe, nach seinen eigenen Berichten, die Gesellschaft eines Fürsten oder Prinzen Liechten- stein, der ihm besonders entgegenkommend war, aber den er nicht näher nennt. Im Laufe der Zeit hatte Goethe Beziehungen zu mehreren Liechten- steiner Prinzen (aber anscheinend nie zu einem Regierenden Fürsten von Liechtenstein - der oben erwähnte Anblick des Fürsten Josef Wenzel bei der Kaiserkrönung im Jahre 1764 in Frankfurt war die einzige nachweisbare Annäherung). Es ist ausser- dem sehr wohl möglich, dass er 1786 in Rom mit zwei Vettern aus dem Fürstenhaus verkehrte, was die Auslassung des Vornamens besonders ärgerlich macht! Den betreffenden Liechtenstein nannte er einfach «den Fürsten von Liechtenstein, den Bruder der [...] Gräfin Harrach» (Näheres siehe unten). Diese Ungenauigkeit von seiten Goethes bei der Nie- derschrift seiner römischen Erlebnisse'"' - der ein- schlägige (erste) Teil der Italienischen Reise wurde erst 1816 veröffentlicht - hat zu vielen Überlegun- gen und Mutmassungen über die Identität des liech- 91) Mit Maria Josefas Schwager, Graf Karl Harrach, verknüpfte Goethe in Karlsbad eine noch engere Beziehung. 1819 widmete ihm Goethe ein kurzes Gedicht. 92) WA, 1,30; Italiänische Reise (23. 11. 1786); S. 224. Auch in einem Brief an J. G. und Caroline Herder aus Rom (2.-9. 12. 1786) erwähnt er «den Bruder der Gräfinn Harrach» (WA. IV, 8, S. 77). 93) Siehe Anm. 100 unten; S. 45. 94) H. Düntzer, Anmerkungen zum von ihm besorgten 24. Bd. der Hempelschen Ausgabe von Goethes Werken, Berlin 1877, S. 692; ders., Goethes Leben, Leipzig 1880, S. 391. Düntzers Vermutung über die Identität des Fürsten Liechtenstein wurde von weiteren Bearbei- tern von Goethes Werken unkritisch akzeptiert und fand in den nächsten Jahrzehnten Eingang in die entsprechenden Erläuterungen. 95) WA, III, 3. S. 136. 96) Die schlechte Redaktion der verschiedenen zusammengestellten Elemente (Auszüge aus dem Reisejournal sowie aus Briefen), die das Werk «Italienische Reise» ausmachten, wurde von mehreren Bearbei- tern von Goethes Werken bemerkt. Es scheint sehr wohl möglich, dass Goethe nach drei Jahrzehnten den Vornamen des Liechtensteiners, den er zur Zeit der Begegnungen offenbar nicht aufgezeichnet hatte, ganz einfach vergessen hatte. 115
        

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