getroffen, wobei unter dem Dienstpersonal gewisse Einzelheiten des bevorstehenden Ereignisses be- sprochen werden, z.B.: Und unser Chevalier Angelo Soliman wird mit dem Fürsten von Liechtenstein im goldenen Wagen bril- lieren. (S. 27) Erzherzog Josef drückt sein Entsetzen über die Re- präsentationskosten aus, aber Josef Wenzel erwi- dert ihm stolz: Es ist uns Liechtensteinern schon immer eine hohe Ehre gewesen, dem Hause Österreich die Präsenta- tion zu machen. (ebda) Die anschliessenden Szenen (6: «Auf der Krönungs- reis'»; 7: «Pharao in Frankfurth») finden 1764 in Frankfurt statt und spielen vor und nach den Krö- nungsfeierlichkeiten. Fürst Josef Wenzels histori- sche Rolle dabei wird hier nicht klar ausgedrückt; am Ende der 6. Szene ist es allerdings Josef Wenzel von Liechtenstein, der dem Erzherzog Josef mitteilt, dieser sei zum Römischen König gewählt worden (S. 34). In einem Gespräch zwischen Erzherzog Josef und Soliman in der 6. Szene fragt der Erzherzog seinen Partner beim Schachspiel: «Wie geht so sein Leben bei dem Liechtenstein, Prinz?» Angelo antwortet: «Immer auf den Strassen, Majestät. Italien, Böh- men, Hungarn, - in Wien ist immer nur Station» (S. 32). Im allgemeinen erfährt Fürst Josef Wenzel in diesem Stück alles andere als eine sympathische Darstel- lung.73 Er hat stets eine sehr selbstbewusste Art und legt in bezug auf Angelo (vor allem bei der ersten Begegnung in Piacenza, wo er wiederholt von des- sen Schönheit schwärmt und seinen Freund Fürst Lobkowitz anfleht, ihm den hübschen Sklaven zu geben) ausgesprochen homosexuelle Neigungen an den Tag, welche dann die Eifersucht begründen, mit der er ihn am Schluss behandelt. Die Entlassungs- szene (11: «Das verpatzte Schäferspiel») wird gera- dezu ins Melodramatische getrieben: Als Kaiser Josef harmlos meint, der abwesende Angelo wird wohl bei seiner Ehefrau sein, ist Wenzel zunächst verdutzt, dann wird er wütend, tut entrüstet, dass die Frau zudem noch eine Weisse ist, ruft Angelo zu 
sich, beschimpft ihn heftig und tobt sich schliesslich damit aus, dass er Angelo mit einer Hetzpeitsche traktiert (S. 60-62). Eine zweite historisch belegbare Dienerpersönlich- keit Josef Wenzels, die eine Rolle in diesem Stück spielt, ist der fürstliche Sekretär Franz Gottwald, welcher in der geschichtlichen Wirklichkeit74 und im Schauspiel als Trauzeuge bei Solimans Eheschlies- sung fungiert. Im Stück bleibt Gottwald nach dem Hinauswurf Angelos durch Fürst Wenzel dem Ehe- paar Soliman noch ein treuer Freund. 108
        

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