DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN große Mx\t& in £>eutfd)lan0 Bon SR.carba Jpu* grfier 93anC toi SBcrfpicI 1585—1620 3m 3nftl>Q}(rlaa ,u Jtipjig i 91 2 riefen sich darauf dass Böhmen ein Wahlkönigreich sei und dass sie deshalb die Freiheit gehabt hätten, Ferdinand abzusetzen und einen anderen Fürsten zu wählen; aber das wollte Liechtenstein durchaus nicht gelten lassen. Er brachte einige Daten und Historien vor, welche das Gegenteil beweisen soll- ten, und ausserdem, sagte er, würden dann ja die Untertanen die Herren sein, und die Könige müssten die Throne hinauf- und hinabhüpfen, wie es jenen beliebe; das aber könne unmöglich Gottes Wille sein. Das sei eine neue Lehre, die sie aufgebracht hätten, um ihrer Rebellion ein vornehmes Mäntelein umzu- hängen. (S. 296) Anschliessend kommt die Darstellung der Exeku- tion. Am Anfang heisst es: Für den Fürsten Liechtenstein und seine Beisitzer waren Plätze auf der Altane des Rathauses herge- richtet. (S. 297) Nach Vollendung der Hinrichtungen werden die Herren vom Gerichtshof zum Fürsten Liechtenstein eingeladen, um ein Frühstück einzunehmen. Dabei wird das gerade erlebte grausame Schauspiel be- sprochen: 
Das Zusehen, sagte Fürst Liechtenstein kühl, sei natürlich unangenehmer, als selbst zu hantieren; aber so schändliche Rebellen verdienten Tod leiden zu sehen müsse doch jedem Liebhaber der Justiz eine Genugtuung bereiten. (S. 299) Die geschulte Historikerin Dr. Huch ist kaum gut auf Karl von Liechtenstein zu sprechen. Etliche Seiten weiter ist von einem Brief die Rede, den Fürst Liech- tenstein an den Heerführer Graf Mansfeld schickte. Die Autorin lässt Mansfeld in einer zornigen Reak- tion auf dieses Schreiben ausrufen: Nach zehn Jahren [...] hatte er es dahin gebracht, [...] dass Liechtenstein, der Bluthund, dem seine schamlose Blut- und Geldgier mit dem Fürstentitel bezahlt war, ihn wie einen mächtigen Gönner um- werben musste. (S. 315) Die zweite unrühmliche Angelegenheit, an der Karl von Liechtenstein beteiligt war und welche auch literarische Schilderungen erfahren hat, ist das Pra- ger Münzkonsortium von 1622. Als Statthalter von Böhmen war Karl eine treibende Kraft bei dieser dunklen Affäre, die ihn mit Wallenstein, dem kalvi- nistischen Finanzier Hans de Witte und dem Juden Bassevi, nebst vielen anderen Gestalten wie dem Obersthofmeister und engen Vertrauten Kaiser Fer- dinands, Eggenberg, verband. Bei Döblin wird Karls Rolle in der Sache angedeutet (S. 172-175). In einem dritten Roman, der diese Zeit behandelt, Der Friedländer von Friedrich Schrey- vogl (1943 veröffentlicht)54, hat Karl von Liechten- stein seinen Hauptauftritt in diesem Zusammen- hang. Die Szene findet im Prager Hradschin statt, 52) Eigentlich lautete sein Titel «Statthalter», während sein Gegen- spieler Wallenstein den Titel «Gubernator» (in diesem Fall eine Mili- tärcharge) innehatte. 53) Ricarda Huch, 1864-1947, damals in München ansässig. Dieser Roman wurde unter dem Titel «Der dreissigjährige Krieg» 1937 neuaufgelegt. Hier benützte Ausgabe: R. Huch, Gesammelte Werke, Bd. 3, Kiepenheuer und Witsch. Köln u. Berlin 1967. 54) Friedrich Schreyvogl. 1899-1976. in Wien tätig. Hier benützte Ausgabe: 4. Aufl.. Verlag Das Bergland-Buch. Salzburg u. Stuttgart 1959. 99
        

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