voll unternommen, hätte mir eigentlich üble Händel zuziehen sollen. Von sächsischer Seite war jedoch kein Mann zu sehen, alles ruhte dort in tieffsten Frieden; die östreichischen Schildwachen mußten für unver- fänglich halten, wenn man mit zwei Schimmeln über die Grenze führe; der Mauthner hatte auch nichts dagegen einzuwenden, und so kam ich glücklich zurück durch den Weg, den ich so gut fand, weil man ihn zum Transport der Artillerie gerade jetzt verbessert hatte. Abends spät gelangte ich nach Töplitz, frank und frei, zu einigem Mißvergnügen einer heitern Gesellschaft, welche schadenfroh gehofft hatte, mich, für meine Verwegenheit bestraft, als Gefangenen escortiert, vor den com- mandirenden General, meinen hohen Gönner und Freund, den Für- sten Moritz Lichtenstein und seine so lieb und werte Umgebung (d.h. die Fürstin Leopoldine, VP.) gebracht zu sehen. Bedenke ich nun, daß diese ruhige Berggegend, die ich in dem vollkommensten Frieden, der aus meinem Tagebuche hervorleuchtet, verließ, schon am 27. August von dem fürchterlichsten Rückzüge überschwemmt, allen Schrecknissen des Krieges ausgesetzt, ihren Wohlstand auf lange Zeit zerstört sah; so darf ich den Genius segnen, der mich zu dem flüchti- gen, jedoch unauslöschbaren Anschauen dieser Zustände trieb, die von so langer Zeit her das größte Interesse für mich gehabt hatten.»87 Goethe hatte Teplitz wegen der heißen Quellen gewählt, und ward dort wieder bei den Clarys Gast. Der Krieg, der aufkommende Natio- nalismus bedrückten den Europäer Goethe, der immer noch Napoleon verehrte. Bereits Anfang Mai 1813 hatte sich der Kurort mit russischen und preußischen Verwundeten gefüllt. Goethe unternahm viele Aus- flüge in der malerischen Umgebung - und hoffte immer noch auf den Frieden, während die Würfel für den Krieg zu fallen begannen. Unter diesen Umständen vollzog sich die Wiederbegegnung mit den Liech- tensteins. Es war scheinbar so wie früher: man spazierte zusammen, man las sich vor, man dinierte gemeinsam, die Fürstin Leopoldine präsentierte ihre Zeichnungen. In diesem kriegerischen Sommer allerdings waren die Gespräche oft bedrückend, denn über ihnen lag der Schatten der europäischen Konflikte. Das zeigte sich auch in den Umständen der Treffen. Prinz Moritz weilte nicht als Kurgast in Teplitz, sondern er residierte in seinem Hauptquartier in Bilin (Bflina) wo ihn Herzog Karl August und Goethe mehrmals besuchten. 65
        

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