mirski. Auch mit der alten Freundin Marianne von Eybelsberg konnte sich Goethe ausführlich unterhalten. Freilich lagen immer noch die Schatten der österreichischen Niederlage von 1809 über diesem Karls- bader Sommer. Der Dichter machte wiederum viele Ausflüge, wenn er nicht im Umkreis der Aristokraten weilte, zu denen auch die Gräfin Harrach zählte. Nach der Abreise der Kaiserin hielt Goethe für Fürst Moritz eine eigene Lesung in kleinstem Kreise, an der neben anderen Aristokraten wiederum Josefa Harrach teilnahm. Moritz und seine Frau reisten dann nach Teplitz zum Fürsten Clary, wo sich später auch Herzog Karl August von Sachsen-Weimar und Goethe einfanden. Goethe war gern bei den Liechtensteins zu Gast, wo er auch öfter vorlas. Man ging zusammen spazieren und unterhielt sich über Ereig- nisse der Weltgeschichte oder auch, wie 1812 über die modischen Konversionen vom Protestantismus zum Katholizismus.*1 Durch die Liechtensteins fand Goethe Zugang zu der in Karlsbad zahlreich versammelten österreichischen Hocharistokratie, deren Gesellschaft er genoß - ja, man hielt ihm sogar im Freundeskreis etwas zu viel Beflissenheit vor. Auf Anraten der Marianne von Eybelsberg reiste Goethe am 6. August 1810 nach Teplitz, um in dessen heißen Quellen eine Nachkur zu veranstalten - den gesellschaftlichen Mittelpunkt bildete dort das Schloß des Fürsten Clary, der ein Schwiegersohn des berühmten Prinzen Karl de Ligne war, eines wallonischen Adeligen von besonderem geistigem Format, von großem Freimut und reger schriftstellerischer Tätigkeit. Er war es gewesen, der dem Grafen Waldstein, dessen Schloß im Teplitz benachbarten Dux (Duchcov) stand, den Abenteurer Giacomo Casanova als Bibliothekar empfahl. Goethes Aufenthalt in Franzensbad (Frantiskovy Läzne) und Karlsbad 1811 brachte kein Wiedersehen mit den Liechtensteins.82 1812 ging Goethe dann erneut für 136 Tage nach Karlsbad und Teplitz.81 Er hatte unter Nierenkoliken gelitten, war in einer schlechten Stimmung und auch die kriegerischen Ereignisse - der bevorstehende Rußlandfeldzug Napoleons - waren nicht geeignet, die Laune zu heben. Dazu trug allerdings die erneute Begegnung mit dem Ehepaar Liechtenstein bei, es war in Begleitung von Moritzens unverheiratetem Bruder Alois Gonzaga, einem noch größeren Haudegen, der schon mit 17 Jahren seine Militärkarriere begonnen hatte - bei Kämpfen um die Lechbrücke bei Schongau in Bayern am 11. Juni 1800 wurde ihm das Bein zerschmettert. Nach der Rückkehr erhielt er das Ritterkreuz des 62
        

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