Europas, das Stätte dieser Begegnungen wurde. Karlsbad hatte Goethe immer wieder angezogen, damals noch in biedermeierischer Lieblichkeit in anmutiger Landschaft. Nicht weniger als siebzehnmal ist Goethe in seinem Leben nach Böhmen gereist - er verbrachte dort zusammen 1114 Tage (gegen 683 in Italien).7" Den Hypochonder zog es in die Badeorte, die zugleich Gesundung und Treffen mit der europäischen Prominenz versprachen. Aber zugleich wurde Goethe zum Entdecker der böhmischen Land- schaft mit ihrem mittelgebirgigen Charakter - er hat sie in Europa bekannt gemacht. Diese Landschaft regte sowohl Goethes zeichneri- sche Phantasie wie seine literarische Gestaltungskraft an.71 In Böhmen traf er zumindest drei Frauen, die ihn tief beeinflußten, neben zahlrei- chen anderen flüchtigeren Begegnungen. Am Anfang stand die Wiener Adelige Marianne von Eybelsberg und am Ende die blutjunge Ulrike von Levetzow, um deren Hand der greise Goethe noch anhielt. Nicht zu unterschätzen ist dazwischen die Kaiserin Maria Ludovika aus dem Hause Österreich-Este, die dritte Frau des Kaisers Franz I. von Öster- reich, die ihn faszinierte und die ihm auch ihre kaiserliche Huld schenkte. Dies erleichterte natürlich den Umgang mit dem höfischen Adel. Der Dichter richtete mehrere Gedichte an Maria Ludovika - die Begegnungen mit den Liechtenstein in den Jahren 1810 und 1812 verbinden sich mit dem Namen der schönen, charmanten und tempera- mentvollen Kaiserin, die auch ihrerseits von Goethe fasziniert war und seine Werke las. Am 8. Juli 1812 kam es zu der berühmten Begegnung in Teplitz (Teplice), bei der Goethe Maria Ludovika täglich sah und der er mehrfach vorlas. Eine vermittelnde Rolle spielte die Hofdame Josefine O'Donell, Witwe des k.k.Finanzministers, Graf Josef O'Do- nell. Zu Goethes tiefstem Bedauern starb die Kaiserin bereits 1816 mit neunundzwanzig Jahren.7: Wie Johannes Urzidil in einem liebenswerten Buch gezeigt hat, lernte Goethe die ganze Vielfalt Böhmens kennen - seine Landschaft, seine Kultur, seine Katholizität, seine Menschen. Besonders geschmeichelt fühlte er sich durch die Begegnungen mit dem Adel. Nach elfjähriger Pause war er 1806 wieder nach Karlsbad zurückgekehrt73 und kam von da an noch zwölfmal wieder. Gegen seine fortwährenden Nierenkoli- ken waren offenbar die Karlsbader Trinkkuren hilfreich. Daneben ließen sich immer wieder interessante Ausflüge unternehmen, die Goethe mancherlei dichterische Inspirationen brachten. 59
        

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