begann mit dem streitlustigen Bischof Georg von Trient (t 1419), dem einzigen Mitglied des Hauses, das eine Mitra trug, und setzte sich fort. Es war für eine Adelsfamilie durchaus normal, daß ein zweitgeborener Sohn wie Josef Wenzel die geistliche Laufbahn einschlug - aber das kriegerische, abenteuerlustige Naturell seines Hauses ließ sich auch bei ihm nicht bannen. Noch in den 1830er Jahren ermittelte die Wiener Polizei gegen ihn wegen verbotenen Hazardspiels, das er schon in jüngeren Jahren gepflegt hatte. Die Begegnung mit dem Prinzen Josef Wenzel von Liechtenstein gehört in die erste Phase von Goethes italienischer Reise. Er war am 22. Februar 1787 von Rom nach Neapel und Sizilien abgereist. Als Goethe am 6. Juni 1787 nach Rom zurückkehrte, war vom Prinzen Liechtenstein keine Rede mehr - dieser war bereits nach Frankreich abgegangen. Aber auch Kardinal Hrzan fand keinen großen Anlaß mehr, über Goethe zu berichten: er begnügte sich mit kurzen Nach- richten und mit der Übersendung einer Zeitungsnotiz.'* Die geistige Reifung des Dichters interessierte die Diplomatie des Ballhausplatzes weniger. Goethe war bekanntlich ein Mensch, der Bekanntschaften mitnahm, sie auskosten konnte, ihnen wohl auch eine Erinnerung bewahrte, sie aber wenig festhielt. Dennoch blieben seine Beziehungen zum Hause Liechtenstein. Es ist fraglich, ob es die römische Begegnung war, die Goethe veran- laßt hat, seinen Rückweg aus Italien über Vaduz zu nehmen, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach genächtigt hat."7 Man hat diesen Aufent- halt des Jahres 1788 sogar mit der «Novelle» in Verbindung gebracht, die Robert Allgäuer 1971 in einem hübschen Band herausgebracht hat. Es scheint allerdings doch etwas wahrscheinlicher, daß die Inspiration dafür von der nordwestböhmischen Landschaft kam.M Stärker als zum Hause Liechtenstein waren zunächst die Verbindungen zur Familie Harrach - der Philanthrop und Arzt Graf Karl Borromäus Harrach, der Schwager jener Maria Josefa Harrach, geb. Liechten- stein, die Goethe in Karlsbad kennengelernt hatte, sollte bei dem Dichter auf einige Zeit in Weimar verweilen und auch einen engen Kontakt mit ihm pflegen.w Aber auch die Verbindungen zum Hause Liechtenstein wurden wieder aufgenommen. Dies sollte jedoch über zwanzig Jahre dauern - und wieder war es Karlsbad (Karlovy Vary), der mondäne westböhmische Badeort, der Treffpunkt des Hochadels, der Generalität und der Geistesgrößen 58
        

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