wandt war - Josef II. hatte in seiner sehr eingeschränkten Mitregenten- rolle neben Maria Theresia seit 1765 die Aufsicht über das Militärwe- sen inne, und im gleichen Jahr wurde Prinz Karl Inspektor der Kavalle- rie. Dabei geriet er in die Spannungen zwischen der Mutter und dem Sohne - 1766 drohte ihm ein Formfehler die Ungnade der Kaiserin zuzuziehen. Fürst Josef Wenzel verhinderte, daß der Neffe den Abschied nahm, «denn er habe das rechte Zeug zu einem tüchtigen General und müsse nach seinem Tode die Familie Liechtenstein in der Armee vertreten, da Fürst Franz ihm mehr ein vortrefflicher Amtmann und Landwirt erscheine».54 Aber die Spannungen gingen weiter - mehrfach wurde Karl bei Beförderungen übergangen. 1771 erhielt er nach dem Tode seines Vaters die Sekundogenitur Mährisch-Kromau (Moravsky Krumlov). 1778 machte er im Bayerischen Erbfolgekrieg den nordböhmischen Feldzug gegen Friedrich den Großen mit. Mit dem Regierungsantritt Josefs II. fiel auf den Josefiner Karl Borro- mäus Liechtenstein die volle kaiserliche Gunst. Im Türkenkrieg von 1788 erhielt Karl endlich das lange gewünschte höhere Kommando und sollte aus Kroatien nach Bosnien vorstoßen. Er scheiterte jedoch bei der Belagerung von Dubitza und holte sich, wie der Kaiser selbst, im Türkenkrieg den Todeskeim. Ein knappes Jahr vor Josef II. starb er am 21. Februar 1789. Ihn überlebte seine wesentlich jüngere Frau Eleonore (1745-1812), die ihm auch in Mährisch-Kromau eine Gruft erbauen ließ und den Grabspruch selbst formulierte. Eleonore kam aus dem «Reich». Sie war die Tochter des Fürsten Alois I. von Oettingen-Spielberg und der Prinzessin Therese von Holstein-Wiesenberg. Aus dem Erbe der Mut- ter brachte sie die mährischen Güter Groß-Meseritsch (Velke Mezi- ficf), Radostm und Zhor in die Ehe. In Groß-Meseritsch hatte die Familie bis zum Anfall von Mährisch-Kromau gelebt. Eleonore war, so Wolf, «eine Frau des achtzehnten Jahrhunderts mit allen Vorzügen und Schwächen ihres Geschlechtes und ihrer Zeit, eine Frau voll von Contrasten, voll Geist und Spott, voll Anmut und Kraft, herzlich und derb, stark im Wollen, unabhängig im Urtheil, ihrer Überzeugung getreu, streng sittlich, aufopfernd, stolz, keusch und barmherzig».55 Besonders eng war sie ihrer Schwester Leopoldine verbunden, die dann die Schwiegertochter des Staatskanzlers Fürst Kaunitz, später die Schwiegermutter von dessen ebenso großem Nachfolger Metternich wurde. Mit dem Onkel und dem Bruder des Mannes, den regierenden 53
        

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