die Akademie und das Schäferdiplom eine Ehrung des päpstlichen Rom für Goethe, die dieser jedoch, wie wir sehen werden, nicht zu hoch schätzte. Nun war die Verbindung des Prinzen Liechtenstein mit der italieni- schen Literatur nicht ganz lose. In seinem Hause verkehrte der Raven- nate Abbate Vincenzo Monti39, der zu einem der bedeutendsten italie- nischen Dichter zwischen Klassik und Romantik werden und in den Stürmen der Französischen Revolution noch hervortreten sollte. Monti, der offenbar neben dem Prinzen Liechtenstein die treibende Kraft für Goethes Zuwahl in die Schäfergesellschaft war, bemühte sich um den Kontakt zu dem deutschen Dichter und las diesem im Hause Liechtenstein seinen «Aristodemus» vor, in dem er einige Stücke von Goethes Werther verwertet haben wollte. Goethe reagierte zunächst positiv: «Das Stück hat einen sehr einfachen, ruhigen Gang, die Gesinnung wie die Sprache sind dem Gegenstande gemäß, kräftig und doch weichmütig. Die Arbeit zeugt von einem sehr schönen Talent».40 Aber Goethe ließ auch die Vorbehalte deutlich werden: «Ich verfehlte nicht, nach meiner Weise, freilich nicht nach der italienischen, alles Gute und Lobenswürdige des Stückes herauszuheben, womit man zwar leidlich zufrieden war, aber doch mit südlicher Ungeduld etwas mehr verlangte. Besonders sollte ich weissagen, was von dem Effekt des Stücks auf das Publikum zu hoffen sei.» Goethe wand sich mit der Auskunft, erklärte sich aber bereit, sich das Stück anzusehen.41 In der Tat wohnte Goethe am 15. Januar der Aufführung auf der Piazza di Spagna bei. Er berichtete, Monti habe ihn gebeten, mit in seine Loge zu gehen, nachdem er gegenüber Montis Lampenfieber vor der Aufführung wie ein Beichvater gewirkt habe. All dies spielte sich ab, als Goethe zwischen den überwältigenden Eindrücken Roms und den Spannungen mit der fernen Frau von Stein schwankte.42 Die Begeisterung für Goethe muß im Hause Liechtenstein groß gewe- sen sein - wie bei anderen Deutschen in Rom interessierte man sich auch dort für Goethes Iphigenie, die damals gerade fertiggestellt wurde. Der Ajo, also der Erzieher des Prinzen Liechtenstein, ein Abbate Tacchi, habe sich bereits daran versucht, die Iphigenie ins Italienische zu übersetzen, um sie an einem römischen Theater auffüh- ren zu lassen.43 Es wäre höchst interessant gewesen, wenn dieses Werk Goethes zum ersten Mal italienisch und in Rom aufgeführt worden wäre. Daß aber eine solche Vorstellung zustande gekommen wäre, ist 4«S
        

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