durch den deutschen Gesandtschaftssekretär der österreichischen Bot- schaft in Rom, Josef von Hudelist14, betrieben, einen außerordentlich fähigen, auch im Ränkespiel der Politik erfahrenen Mann, der einst zur Grauen Eminenz des Staatskanzlers Fürst Metternich und zu einer beherrschenden Figur der österreichischen Politik aufsteigen sollte. Hudelist fand schnell den Kontakt mit Goethe in dessen römischem «Gasthof» - er versuchte, ihn auszuforschen. Immerhin gelang es Hudelist, sein Vertrauen zu gewinnen, denn dieser las ihm aus seinem Tagebuch vor, «wo er (d.h. Goethe, V.P.) über die Inquisition, die ge^ genwärtige Regierung und das große Elend Roms sehr scharfe und bis- sige Anmerkungen machte». Hrzan berichtete weiter an Kaunitz: «Ich habe meinen Sekretär, auf dessen Rechtschaffenheit ich mich verlassen kann, aufgetragen, dass er bey seiner Zurük-Kunft, die wahrscheinlich bald erfolgen dürfte, sich mit jenem in einen näheren Umgang setzen soll, um hiedurch imstande zu seyn, mit Sicherheit ein wachsames Auge auf seine Aufführungen und allfällige geheime Absichten tragen zu können, wo sodan eurer Liebden das, was immer zu meiner Kennt- nis gelangen wird, unverweilt zu berichten mir die Ehre geben werde.» Hrzan meldete ferner, daß Goethe, der bei dem Maler Tischbein gewohnt habe, inzwischen nach Neapel weitergereist sei.15 Insgesamt aber konnte Hrzan den Staatskanzler Kaunitz und damit Josef n. über Goethes Pläne beruhigen. Der Kardinal begriff den völlig unpolitischen Charakter der italienischen Bildungsreise des Dichters sehr schnell. Dies ist eigentlich bedauerlich, denn die Beob- achtungen von Hudelist und Hrzan waren durchaus scharf und tref- fend,16 und wir hätten gern einige mehr von ihnen gehabt. Doch die Befürchtungen Josefs II. hatten sich als unbegründet erwie- sen. In der Tat war Goethe inzwischen zum Gegner der Fürstenbunds- politik geworden. Der Versuch Josefs IL, 1778/79 Bayern zu annektie- ren, hatte auch Goethes Herzog wie ihn selbst stark beunruhigt. 1782 hatten die deutschen Fürsten geplant, das dritte Deutschland gegen die Ansprüche des Kaisers, aber auch gegen die Bevormundung durch Preußen zusammenzuschließen - im Herbst 1782 setzten die treiben- den Kräfte Anhalt-Dessau und Baden-Durlach auch Karl August von Sachsen-Weimar in Kenntnis, und dieser stellte sich bald in die vorder- ste Reihe. Auch Goethe nahm Anteil an diesen Plänen. Er hatte z.B. mit dem ihm befreundeten kurmainzischen Statthalter im benachbar- ten Erfurt, Karl Theodor von Dalberg, politische Gespräche über 43
        

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