eher Grösse und Körperkraft»'2; «ein Mann von Hünengestalt» beschreibt Hermine Rheinberger11; der Vulgo «Bära» kommt daher, weil «ein sehr starker Mann» einen Bären erwürgt habe14; ebenso wird am Berg eine Sippe «ds Groossa» genannt15. Aber einzig die Weidmannsage ist mit einem religiösen Motiv unter- mauert. Die Deutung dieses religiösen Motivs sehe ich so: Christus ist barmherziger als die Menschen! Zutreffend ist hier wohl auch das Sprichwort: «Steine wirft man nur nach Zweigen, wo sich gute Früchte zeigen».16 Interessanterweise findet sich die Weidmannsage in anderer Version, aber inhaltlich dasselbe aussagend, auch in unserer Nachbargemeinde Nenzing. Die Sage ist betitelt: «Dr fromm Bur ofm Nenzegerberg» und wird genannt: «dr Ächthofer»". Wie der Weidmann geht auch Ächtho- fer wegen des weiten Kirchganges nie in die Kirche. Um ihm wohl Vorwürfe zu machen, bestellt ihn der Pfarrer in sein Pfarrhaus. Was sich dann im Pfarrhof beim Mittagläuten zuträgt, ist wiederum dasselbe wie in der Weidmannsage. Statt «er süllma nu uf schie rechta Fuoss har stah, de werders scho höra», «zücht dr Ächthofer sin Tschopa us als d'Kiarchturmuhr zwölfe azägat und mahnt da Pfarr: Jetzt losens amol am mim Tschopaörmel! Dr Pfarr tuat, wia n'är em gset hot und tatsächle, er hört a wunderschös Glüt, so eppas hot er noch nia verno. Dr Pfarr ischt me as verwundert und schtoht schprochlos do und setz noch anra Wile. Jo, mi guata Ma, gang no wieder häm und bet witer a so wia bis jetzt. Du bischt frömmer als i!» Hier haben wir eine ganz typischen Beweis, wie Sagenmotive durch Erzählen weit gestreut werden, aber an Ort und Stelle mit Lokalkolorit versehen werden. Ich vermute sogar, dass die Sage vom «fromm Bur ofm Nenzegerberg» in unserer Weidmannsage ihren Ursprung hat. Das wäre im vorliegenden Fall gar nicht verwunderlich, denn Triesenberg und Nenzing sind Nachbargemeinden, viele Triesenberger waren frü- her als Alphirten und Sennen auf Nenzingeralpen tätig, und zudem sind beide Gemeinden durch verwandtschaftliche Beziehungen enge verbunden. Eine Konsultation der Ortsregister in der «Familienchro- nik der Walsergemeinde Triesenberg» unter dem Stichwort «Nenzing» wäre sehr aufschlussreich.18 Die Weidmannsage muss wohl der älteren Zeit zugerechnet werden. Ob die Walser sie aus der Urheimat Wallis mitgebracht haben? Auch Prof. Paul Zinsli1'' tippt zuerst bei der Weidmannsage auf einen «Walli- 279
        

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