ZUSAMMENFASSUNG Bei der Kirchengrabung in Bendern wurden auch ausserhalb der Kirche, im Friedhof, Streu- und Aushubfunde gemacht. Der hier katalogisierte Komplex umfasst 35 Fundeinheiten aus dem Bereich der privaten Frömmigkeit. Die Objekte liegen zeitlich zwischen 1636 und dem Ende des letzten Jahrhunderts. Die Sitte, den Toten ihre persönli- chen, kleinen Andachtsgegenstände mit ins Grab zu geben, reicht noch in vorchristliche Zeit zurück. Der Fund von Bendern gibt uns viele Auskünfte über Frömmigkeitsformen der Barockzeit, über die Wall- fahrtsziele und über die im Volke besonders verehrten Heiligen. Vom ganzen Fundkomplex hat ein Stück eine besondere Beziehung zu Bendern (Nr. 29). 1194 gelangte die Pfarrei Bendern in den Besitz des Praemonstratenserstiftes St. Luzi in Chur. Von 1538/39 bis 1816 amte- ten Praemonstratenserchorherren in Bendern als Pfarrer. Der sehr seltene Gnadenpfennig von Steinhausen am Federbach, das zur Prae- monstratenserabtei Schussenried gehörte, ist als Beleg einer ordensei- genen Wallfahrt von höchstem Interesse, er stammt wahrscheinlich aus dem Grabe eines Pfarrers. Die Wallfahrt Maria Einsiedeln ist mit zehn Gnadenpfennigen sehr gut vertreten, es war ja auch von den grossen Wallfahrtsorten schlechthin der Ort, den die Liechtensteiner gerne aufsuchten. Einsiedeln hat interessanterweise, gemessen an der Bedeutung der Wallfahrt, nicht allzuviele verschiedene Typen an Gnadenpfennigen ausgegeben, hin- gegen gibt es davon sehr viele Stempelvarianten. Vom seltensten Einsiedlerpfennig, der hier in Nr. 20 vertreten ist, sind neun verschie- dene Varianten bekannt, während die Nr. 16 bis 19 alles Stücke dessel- ben Typus sind, der in 46 verschiedenen Exemplaren vorkommt. Nr. 21 bis 23 und 25, ebenfalls alle vom gleichen Typus, sind mit fünfzig verschiedenen Stücken belegt. Nr. 24 schliesslich, mit dem Gnadenbild ohne Behang, ist in 26 Varianten nachweisbar. Nr. 15 als ältestes und 1636 datiertes Stück stammt aus einer italieni- schen Wallfahrt, die trotz eifrigen Suchens nicht näher lokalisierbar ist. Wie sich der äusserst gut erhaltene Pfennig aus Salamanca, Spanien, nach Bendern verirrte, wird kaum je aufgeklärt werden können. Aus dem bayerischen Raum hat sich ein Zwitterpfennig Ettal/Wies erhalten (Nr. 27), während die Virgo Lauretana (Nr. 26) mit einem bescheidenen Exemplar vertreten ist. 271
        

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