Wie verabredet, fand ich mich am Montag früh 7 Uhr auf dem südl. Friedhof ein, um der Exhumierung beizuwohnen. Niemand erschien. Ich wartete zunächst bis 9 Uhr, wo die Bürozeit der Behörden beginnt. Auf dem Friedhof ist längst ja kein Amts- oder Unterkunftsraum für einen Angestellten mehr da. Ich telefonierte vom Antonius-Kloster. Abermals niemand da; . Erneutes Warten an der Gruft. Um 12 Uhr konnte ich dann vom früheren Vorstand der Rheinberger-Chorvereinigung Zehet- meier telefonisch die Mitteilung bekommen, daß die Exhumierung am Donnerstag stattfinden werde, nachdem durch die Rheinberger-Chor- vereinigung am Mittwoch abermals nachgegraben würde, und die Sarg- ruinen noch weiter freigelegt würden, was am Samstag wegen Einbruch der Dunkelheit nicht restlos der Fall war. Um 2 Uhr nachmittags kam ich erschöpft heim. Am Mittwoch (...) fand ich mich früh 7 Uhr wieder auf dem südl. Friedhof ein, wo Herr Zehetmeier seit 6 Uhr in der Gruft arbeitete, zwei andere Vereinsmitglieder und ich hielten die Zuschauer fern, was dies- mal besser glückte. Um 10 Uhr war Herr Z. mit seiner Arbeit fertig. Diesmal konnte auch ich im besseren Licht die sterblichen Überreste meines armen Meisters erblicken. Den zerdrückten Kopf, das flachge- drückte Gerippe mit den feuchten, nachgedunkelten Gewandfetzen, an denen ich ihn noch erkennen konnte. Frau Fannys Gebeine in dem Kindersärglein! Ein jämmerlicher Anblick. Gleich nach meiner Heim- kehr mußte ich mich legen, konnte nichts mehr essen u.s. w. Ein gänzlich verbogenes Kreuzlein aus Weißmetall (Silber?), 350 g, habe ich einstwei- len mitgenommen, um es zu reinigen; es war auf dem Sargdeckel des Meisters angenagelt gewesen und losgerissen worden. Der darauf gefal- lene Stein ist ca. 5 Zentner schwer (oberer Teil des Christoforus-Reliefs). Donnerstag: Entgegen aller Verabredung und Zusagen wegen der Exhu- mierung keine Benachrichtigung, weder an mich noch an Zehetmeier. Ungefähr 10 Telefon-Anfragen nach allen Seiten: Bestattungsamt, Ober- bürgermeister, Waldfriedhof verbunden mit Drohungen und Berufun- gen auf den Oberbürgermeister - jedoch überall nichts zu erreichen und zu erfahren. Als ich auf dem Weg zum Arzt war, um mein Rezept erneuern zu lassen, traf um 12 Uhr eine telefonische Meldung ein: Die 2 Särge seien bereits im Waldfriedhof beigesetzt! Kurz vorher hatte man mir persönlich von dort telef. gemeldet, man wisse von gar nichts! Ich nahm sofort in höchster Erregung ein Auto und fuhr in den Waldfried- 26
        

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