5. Die landschaftliche Entwicklung im liechtensteinischen Talraum in räumlicher und zeitlicher Dimension 5.1 EINLEITENDE GEDANKEN Landschaft verändert sich dauernd. Auch das liechtensteinische Rhein- tal ist einem ständigen Wandel unterworfen. Schon im Mittelalter dürften weite Teile dieses bedeutenden Durchgangstales zugunsten einer Streuenutzung und Weidewirtschaft gerodet worden sein. Man vermeint beispielsweise im alten Siedlungskern der Gemeinde Ruggell (lat. runcare = reuten, roden) noch die alte Rodungsinsel13 in der Talebene zu erkennen. Den Charakter eines grossen Feuchtgebietes von Bregenz bis Bad Ragaz vermochte das Alpenrheintal im wesentli- chen noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu erhalten. Erst die grosse Binnenlandentwässerung nach der Rheinkorrektur verhalf den Kultivierungsbemühungen zum dauernden Durchbruch. Trotzdem darf rückblickend noch bis um 1950 von einer ausgesprochen vielfältigen Kulturlandschaft gesprochen werden. Die grosse Zaesur in der liech- tensteinischen Landschaftsentwicklung ist somit um die Jahrhundert- wende anzusetzen. Mit dem sozio-ökonomischen Umschwung und dem Wandel von einer Agrar- in eine Industriegesellschaft in einer äusserst gerafften Zeitspanne wurde auch die Physiognomie dieser Landschaft radikal geändert. Schlagartig dehnten sich die Siedlungen aus, entwik- kelte sich bald ein Agglomerationsband von Schaan über Vaduz nach Triesen. Parallel zu diesem Prozess verlief die Mechanisierung in der Landwirtschaft. Die einst mannigfaltige Kulturlandschaft wurde in weiten Räumen innert einer Menschengeneration (30 Jahre) in eine «moderne» Nutzungs- und Industrielandschaft gewandelt. Dieser einschneidende Wandel wird allerdings im allgemeinen wenig wahrgenommen, er entzieht sich offensichtlich weitgehend dem allge- meinen Vorstellungsvermögen. Die Erosion an Naturwerten und Land- schaftsvielfalt wird - wenn überhaupt - nur im Augenblick des sekto- 83
        

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