krieg brach die Industrie wieder zusammen. Die Absatzmärkte in der Donaumonarchie wie auch das auf die österreichische Währung aufge- baute Kapital gingen verloren. Liechtenstein blieb weiterhin ein Agrar- staat. Die langsame Erholung von Industrie und Gewerbe kam mit dem Anschluss an die Wirtschaft der Schweiz. Erst nach der Weltwirt- schaftskrise um 1930 wurden die Weichenstellungen für die beginnende eigentliche Industrialisierung des Landes eingeleitet. 1930 waren aber immerhin noch 38,7 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung in der Land- und Forstwirtschaft tätig, 1941 33,3 Prozent, 1950 noch 21,9 Prozent. Während des 2. Weltkrieges begann eine rund zwei Jahr- zehnte andauernde, sehr stark expandierende Industrialisierungs- phase. Das Jahrzehnt des wirtschaftlichen Aufschwungs bildet die Periode 1951-1960 mit einem Bevölkerungswachstum von 20,9%, in der Hochkonjunkturzeit 1961-70 gar von 28,4 Prozent. Der seit Anfang des 19. Jahrhunderts bestehende Industrialisierungsvorsprung des Schweizer und Vorarlberger Rheintals wurde nach dem 2. Welt- krieg in kürzester Zeit aufgeholt und übertroffen. Mehrere Faktoren förderten diese rasante Entwicklung: - Der Schweizer Markt war für die liechtensteinischen Produkte auf- nahmefähig und im Sog der Schweiz eröffnete sich auch der Welt- markt. - Die Liechtensteiner Firmen konnten zudem auf den Schweizer Kapi- talmarkt und auf die stabile Währung zurückgreifen. - Im Lande stand vorerst ein grosses und kostengünstiges Arbeitskräf- tepotential zur Verfügung. - Eine liberale Wirtschaftsgesetzgebung mit Steuererleichterungen für ausländisches Kapital bei Investitionen lockte noch mehr als die Schweiz, wobei das Know how, die Produktionsprogramme wie die Führungskräfte mitgebracht werden mussten (vgl. auch MEUS- BURGER, 1981). - Schliesslich erweist sich die relative periphere Lage (z.B. keine Schiffahrtsverbindung) und der späte Start der Industrialisierung (und damit keine «Erblasten») als dynamisierender Faktor für inno- vative Produkte, wie sie heute im wesentlichen die liechtensteinische Industrie insgesamt auszeichnet. Bereits ab 1950 waren mehr Arbeitsplätze geschaffen, als von Inlän- dern zu besetzen möglich waren. Zwischen 1941 und 1978 wurde die Zahl der industriellen Arbeitsplätze mehr als verfünffacht. 72
        

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