nieder, von denen die meisten 1688 nach Hohenems zurückkehrten. Nur die drei reichsten Juden erhielten die Bewilligung, in Sulz zu bleiben: Abraham Veit Levi, Salomon Levi und Wolf von Aulendorf. Bis 1743 wurden daraus wieder elf Familien. Am 23. und 24. Dezember 1744 rottete sich die christliche Bevölkerung zusammen, um die Häu- ser der Juden zu plündern und zu zerstören und die jüdische Bevölke- rung zu misshandeln und zu vertreiben. Was sich damals kurz vor Weihnachten 1744 in Sulz abspielte, stellt sich als eine «Landeskristall- nacht» dar, als deren geistige Urheber die Vörarlberger Landstände anzusehen sind, deren judenfeindliche Politik seit 200 Jahren angehal- ten hatte. In dieser kritischen Situation öffnete Liechtenstein den flüchtigen Juden die Tore zu einem vorübergehenden Refugium. Die mit ihren Familienangehörigen und ihrem Gesinde etwa 50 Personen zählende Judenschaft aus Sulz verblieb etwa zwei Jahre im Lande. 1748 bestä- tigte der Graf von Hohenems ihre Aufnahme als Schutzjuden in Hohenems, womit die Flüchtlinge endgültig eine neue Heimat gefun- den hatten. Die Entscheidung der liechtensteinischen Regierung, den Flüchtlingen Aufnahme zu gewähren, ist angesichts der oben zitierten Vorbehalte gegen die Juden umso höher zu veranschlagen. Anderer- seits wurden die Flüchtlinge aber auch nicht um Gottes Lohn aufge- nommen. Einmal musste die Sulzer Judenschaft für zwei Jahre in das fürstliche Rentamt 60 Gulden Toleranz- und Zollgeld erlegen.23 Dazu kam das an die Gemeinden zu entrichtende Hintersässgeld. Soweit die Beträge bekannt sind, belaufen sie sich auf weitere 85 Gulden.24 Schliesslich galten die Sulzer Juden als besonders vermögend, so dass die Anwesenheit der Juden auch sonst wirtschaftliche Vorteile für die liechtensteinische Bevölkerung versprach. Im folgenden soll versucht werden, im einzelnen die Persönlichkeiten und die Orte, an denen sie sich niedergelassen haben, zu erfassen. Diese Übersicht kann nur als vorläufig bezeichnet werden, da sie sich ausschliesslich auf Quellen des Vorarlberger Landesarchivs abstützt und der Ergänzung um anderes Material bedarf. Insbesondere bleibt es eine Aufgabe für die lokale Geschichtsforschung, die Judenhäuser selbst zu identifizieren, wofür in einigen Fällen durchaus Anhalts- punkte gegeben sind. Trotz ihrer Vorläufigkeit gibt diese Übersichts- liste doch ein sehr plastisches Bild von der 1745 bis 1747 in Liechten- stein ansässigen Judenschaft, die man sich anhand der einzelnen Bio- 333
        

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