d.h. sie dienten der Rechtssicherheit. Von daher vermögen sie Aufschlüsse für die Rechtsgeschichte zu geben. Siegel sind aber auch Kleinstkunstwerke, die oft mit grosser Sorgfalt von geschulten Goldschmieden gestochen wurden. In den Siegelbildern widerspie- geln sich die Stiltendenzen der verschiedenen Epochen meist sehr genau, sie sind damit wichtige, wenn auch bis heute kaum beachtete Quellen für die Kunstgeschichte. Darüber hinaus dienten die Siegel der Selbstdarstellung der Siegelführer: Ungeachet der Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Fläche auf einem Siegel, verstanden es die Siegelführer, die wesentlichen Attribute ihrer gesellschaftlichen Rangstellung zum Ausdruck zu bringen. Siegel sind damit auch eine Quelle für die Sozialgeschichte. Die Quellenlage zur Erforschung unserer Landesgeschichte ist bis ins 18. Jahrhundert schlecht. Der wiederholte Wechsel der Landesherr- schaft hat dazu geführt, dass grosse Teile der schriflichen Unterlagen verloren gegangen sind. Oft sind nur zufällige Fragmente erhalten geblieben, die man wieder zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzu- fügen versuchen muss. Bei dieser Aufgabe kann auch die Sphragistik mithelfen: Es geht letztlich nicht um ein Siegel mehr oder weniger, sondern darum, dass die Siegel Teil eines Ganzen waren und beim Versuch, dieses Ganze wieder zu entdecken, hilfreich sein können. 2. SPHRAGISTIK UND HERALDIK IN LIECHTENSTEIN Fridolin Tschugmell hat sich als erster bemüht, die Siegel in unseren Archiven systematisch zu erfassen. Im Zusammenhang mit seinen Arbeiten zur Familienforschung trug er von 1937 bis 1941 Skizzen und Pausen von über 300 verschiedenen Siegeln vom 15. bis 20. Jahrhundert zusammen. Leider notierte Tschugmell lediglich das Entstehungsjahr der entsprechenden Dokumente, nicht aber deren Standorte und Signaturen. Ein gezieltes Auffinden der von ihm gefundenen Siegel ist also heute nicht mehr möglich. Fridolin Tschugmell arbeitete eng mit Eugen Verling zusammen. Beide interessierten sich in erster Linie für Wappen. Die Siegel selbst waren ihnen dabei nur Mittel zum Zweck. Der Nachlass von Eugen Verling wurde veräussert, der Käufer konnte leider nicht ermittelt werden, so dass nicht bekannt ist, ob sich bei diesen Unterlagen 14
        

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