erkennbaren Grund ein neues Siegel schneiden liess. Die Datierung der Siegel stand vermutlich in einem Zusammenhang mit der Datierung von Münzen, die etwas früher eingesetzt hatte. Während sich bei den Münzen die Datierung immer mehr durchsetzte, blieb die Datierung der Siegel eher die Ausnahme.61 Erwähnenswert ist die Vielfalt an Trennungszeichen, mit denen die einzelnen Wörter der Umschriften voneinander abgegrenzt werden. Die gewöhnlichen Trennungszeichen sind: '•: + *, Daneben gibt es eine Reihe von eher ausgefallenen Trennungszeichen: kleine Kreise, verschiedene Anordnungen von drei bis sechs Punkten, besondere Kreuze (Doppelkreuze, Johanniterkreuz, Prankenkreuz), Rosetten, normale und gelängte Rauten. Einmal ist auch ein X als Trennungs- zeichen zu finden. In manchen Umschriften werden verschiedene Trennungszeichen verwendet, manchmal wird auch ganz oder teilwei- se auf Trennungszeichen verzichtet. Die Buchstabenformen widerspiegeln die allgemeine Entwicklung der deutschen Schrift. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts vermischten sich unter dem Einfluss der Gotik die römische Kapitale mit ihren gleichmässigen, einfachen Formen und die spätantike Unziale mit ihren gerundeten Buchstaben zur gotischen Majuskel. Für diese schöne Grossbuchstabenschrift sind Zierstriche, Schaftspaltungen und runde Formen typisch. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde die gotische Majuskel durch die gotische Minuskel, eine manchmal recht schwer lesbare Kleinbuchstabenschrift, verdrängt. Eine bemerkens- werte Mischung zeigt das Siegel des Bischofs Johannes Neil (Nr. 84): Während die Umschrift noch in der alten gotischen Majuskel erscheint, ist das AVE MARIA auf dem Spruchband des Verkündi- gungsengels in gotischer Minuskel gehalten. Die gotische Minuskel war eine Modeschrift und wurde nur etwa 100 Jahre verwendet. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts griff man unter dem Einfluss der Renaissance wieder auf die klaren Formen der «lateinischen» Schrift zurück: Die nun folgende lateinische Majuskel ist eine Grossbuchsta- benschrift, die auf der römischen Kapitale beruht. Anfangs erschienen noch unziales E und N, doch setzten sich mit der Zeit die strengen 61 vgl. dazu Ewald. Siegelkunde, S. 224: A. von Brandt, S. 186. 62
        

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