mit Elementen von Heiligensiegeln (Gentiiis d'Ajello, Nr. 114; Nicolaus von Argos, Nr. 112). Seit dem 14. Jahrhundert verspürten die Bischöfe offenbar das Bedürfnis, neben ihrer geistlichen Würde auch ihre Stellung als Landesherren und ihre Zugehörigkeit zu vornehmen Familien zum Ausdruck zu bringen.55 Damit beginnt der Einfluss der Heraldik auf die geistlichen Siegel. Zunächst erscheinen nur kleine Wappendarstel- lungen am untern Rand des Siegelfeldes: entweder das Bistumswap- pen allein (Johannes III. Abundi Nr. 83) oder das Familienwappen allein (Dietrich Segni Nr. 82) oder beide zusammen (Thomas Planta Nr. 87). Durch den im 15. und 16. Jahrhundert vollendeten «Siegeszug der Heraldik» wurden die Porträtsiegel aber völlig durch die Wappensiegel verdrängt. Diese zeigen lediglich ein Wappen. Die geistliche Würde wird noch durch Mitra (oder geistlichen Hut), Hirtenstab und Quasten zum Ausdruck gebracht, die anstelle von Helm, Helmzier und Helmdecke stehen. Um eine besondere Art von Porträtsiegel56 handelt es sich beim Siegel der Stadt Feldkirch (Nr. 263): Der Siegelschneider bemühte sich, ein möglichst individuelles Bild der Stadt einzufangen und gab deshalb ein charakteristisches Bauwerk, die Stadtkirche St. Nikolaus, verhältnismässig naturgetreu wieder. 5.3. HEILIGENSIEGEL Wie der Begriff «Heiligensiegel» nahelegt, steht bei diesem Siegeltyp die Darstellung eines Heiligen im Mittelpunkt. Dieser Siegeltyp ist bei geistlichen Würdenträgern, Klöstern, Stiften, Ländern und Orten zu finden. Die Wahl dieses Bildmotivs ist wohl so zu erklären, dass der Heilige eine Schutzfunktion übernehmen sollte: Er wurde in besonderem Masse verehrt, ihm vertraute man sich an, von ihm erhoffte man sich Fürsprache bei Gott. 55 Meyer/Marthaler, S. 19. 56 Toni Diederich hat für Siegel, «in denen nach dem Pars-pro-toto-Grundsatz charakteristische Bauwerke der Stadt - meist die Kirche - verhältnismässig naturaetreuwiedergegeben werden,» den Begriff «Stadtportätsiegel» geprägt. Die- derich. Städtesiegel. S. 93. 56
        

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