doch schon bald zweiteilig und verlängert, wobei sie auch bei Profildarstellungen des Helms auf beiden Seiten erscheint (Albrecht Vaistli Nr. 47). In ihrem Rand wurden - wie in die Gewandsäume der Zeit - Einschnitte gemacht, die immer tiefer ausgebuchtet wurden, so dass schliesslich die «gezaddelte» Helmdecke entstand (Johann von Bonstetten Nr. 74, Heinrich von Sax Nr. 75). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verlor die Helmdecke ihren ursprünglichen Sinn und löste sich in Blatt- und Rankenornamente auf (Rudolf von Sulz V. Nr. 14, Dominikus Frauenfeld Nr. 236). Der Einfluss bedeutender Künstler der Spätgotik wurde auch in der Siegelschneidekunst sichtbar: Albrecht Dürers «geschnörkelte Rankenspitzen» und das «Aldegreverlaub»50 sind auf zahlreichen Siegeln zu finden (Kaspar Rothmund Nr. 241, Wolfgang Jonas Nr. 65). In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erscheint das von der Renaissance wieder aufgenom- mene antike Motiv des Akanthusblattes (Bernhardt von Cham Nr. 240, Franz Wilhelm von Hohenems Nr. 28). Die Helmzier51 war ursprünglich ein Persönlichkeitszeichen: Diente der Schild zur Kennzeichnung eines Geschlechts, so war die Helmzier zur Identifizierung einzelner Personen dieses Geschlechts vorgesehen. Doch schon ab Mitte des 13. Jahrhunderts setzte sich die Unveränderlichkeit und Vererblichkeit der Helmzier durch. Sie verlor damit ihren ursprünglichen Sinn als Persönlichkeitszeichen und wurde zum Linienzeichen bzw. blossen Helmschmuck. Bei den Helmzierden ist zu unterscheiden zwischen solchen, die nur dem Schmuck des Helmes dienen, und solchen, die den Schildinhalt wiederholen. Bilder, die dem blossen Schmuck dienen, sind vor allem Hörner (Gabriel Dionys von Schellenberg, Nr. 51), Flügel (Zacharias Furtenbach, Nr. 66) und Federn (Hugo von Königsegg, Nr. 52). Häufiger sind Helmzierden, die das Schildbild - gelegentlich in einer variierten Form - wiederholen. Bei einigen Siegeln werden auch die beiden Möglichkeiten kombiniert: Die Schildfigur wird, umrahmt von Hörnern oder einem Flug, wiederholt (Johann Baptista Tatt, Nr. 277). 50 «Aldegreverlaub» und «geschnörkelte Rankenspitzen» nach Heinrich Kohlhaus- sen, Nürnberger Goldschmiedekunst des Mittelalters und der Dürerzeit, 1240-1540, Berlin 1968, S. 420 f., Abb. 600. 51 Vgl. Wappenfibel, S. 86-89. 52
        

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