Leinen lassen sich jedoch keine genauen Angaben machen, da diese Schutzmassnahme zum Teil nicht original sind und vermutlich zum Teil nicht mehr erhalten sind. Seit dem 12. Jahrhundert wurde durch die Beimischung verschie- dener Substanzen eine bestimmte Färbung der Siegel erreicht: Durch das Beimischen von Zinnober oder Mennige erzielte man Rot, durch Grünspan Grün und durch Asche oder Russ Schwarz. Zur Bedeutung der verschiedenen Farben gibt die Literatur35 an, dass ursprünglich alle Farben den gleichen Wert hatten und nebeneinander verwendet wurden. Feste Regeln zur Verwendung der Farben gab es nicht. Im Spätmittelalter wurde dann aber Rot zu einer privilegierten Farbe. Den «Rotsiegiern» stand eine besondere Würde zu. Das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln, die sogenannte «Rotwachsfreiheit», wurde vom Kaiser als ein besonderes Privileg vergeben. Wenn man die Farbenverteilung bei den Wachssiegeln in den liechtensteinischen Archiven betrachtet, so scheinen hier doch gewisse Regeln bestanden zu haben. Zunächst fällt auf, dass Kardinä- le, Bischöfe und Äbte stets rot gesiegelt haben. Bei allen andern Siegelführergruppen herrschte zunächst ungefärbtes Wachs vor, das je nach Zusätzen und Grad der Austrocknung im Laufe der Zeit alle Farbtönungen von honiggelb bis dunkelbraun annehmen konnte. Im 15. Jahrhundert siegelte der hohe Adel gelegentlich grün, seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert dann praktisch ausschliesslich rot. Der niedere Adel siegelte bis Mitte des 16. Jahrhunderts vor allem schwarz, dann setzte sich auch hier mehr und mehr Rot durch. Ganz offensicht- lich war mit der Rotwachsfreiheit ein höheres soziales Prestige verbunden, weshalb der niedere Adel bestrebt war, dieses Privileg zu erhalten.36 Die Ausdehnung der Rotwachsfreiheit auf den niederen Adel seit dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts korrespondiert mit einer 35 Kittel, Siegel. S. 196; Ewald. Siegelkunde S. 157. 36 Die Grafen von Montfort- Tettnang und Montfort - Bregenz erhielten bereits um 1436 das Recht, mit rotem Wachs zu siegeln. Liesching, Siegel der Grafen von Montfort. S. 215. Die Familie Furtenbach erhielt 1618 zusammen mit dem Reichs- und erbländischen Adel die Rotwachsfreiheit. Ulmer, Edelsitze, S. 772. Weitere Beispiele siehe bei Burmeister, Feldkirch S. 195/196. 41
        

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