Die an die Pergamenturkunden angehängten Wachssiegel waren äusserst empfindlich. Um sie vor der Zerstörung zu bewahren, Hess man sich daher mancherlei einfallen. Seit dem Spätmittelalter wurden die Siegelabdrücke geschützt, indem sie in Wachs, Leinen, Holz oder Blech eingebettet wurden. Seit dem 15. Jahrhundert wurden die Abdrücke mit einer schützenden Wachsschicht umgeben. Am Anfang wurden die dünnen, farbigen Wachsschichten, in die der Stempel hineingedrückt wurde, auf eine dickere Naturwachsunterlage mon- tiert, die oft mit dem Rand der oberen Schicht bündig abschloss. Diese Wachsunterlage entwickelte sich zu einer flachen Wachswanne, die etwas grösser als das Siegel war und dieses damit besser schützte. Eine solche Wachswanne ist bereits beim Siegel des Weihbischofs Dietrich aus dem Jahre 1394 (Nr. 82) zu finden. Der nächste Schritt in der Entwicklung waren die kräftigen, halbkugeligen Wachsschüsseln, die mit ihrem ausgeprägten, erhöhten Wulstrand den Siegelabdruck einbetteten. Wachswannen und Wachsschüsseln wurden im voraus aus Naturwachs angefertigt, das durch Zusätze gehärtet wurde. Um die Verbindung mit dem Siegel zu verbessern, wurden die Kontaktflächen aufgerauht und das heisse, farbige Wachs beim Siegelabdruck hinein- gepresst. Diese Art des Siegelschutzes war bei farbigen Siegeln seit dem 15. Jahrhundert bis zum Aufkommen der Holzkapseln üblich. Gedrechselte Holzkapseln vermochten die Siegel bedeutend besser zu schützen als Wachsschüsseln: Das flüssige Wachs wurde in den Boden der Holzkapsel hineingepresst und verband sich mit diesem fest. Der Deckel schützte den Siegelabdruck, so dass seine Oberfläche sich nicht abschleifen konnte. Das erste Siegel mit einer Holzkapsel in unserer Sammlung stammt aus dem Jahre 1578 (Siegel Gabriel Merck Nr. 213). Die Holzkapseln waren am Anfang sehr einfach, später wurden sie häufig verziert. Bei geistlichen Siegeln wurden neben den Holzkapseln auch Blechkapseln verwendet, die sich für diesen Zweck aber weniger gut eigneten. In unseren Archiven hat sich nur ein Siegel (Nicolaus Rodulfus Nr. 127) in einer Blechkapsel erhalten. Auch dieses Lacksiegel ist bereits teilweise zerstört, da die Schnur, an der das Siegel befestigt ist, sich zwischen dem Blech und dem Lack bewegen kann. An andern Urkunden hängen noch leere Blechkapseln. Einzelne Siegel waren in Leinen eingepackt, was den Siegeln ebenfalls einen gewissen Schutz verlieh. Über die Verwendung von 40
        

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