Einschnitt angebracht, durch den ein Pergamentstreifen gezogen wurde. Dieser wurde gefaltet und dann das Siegel daran befestigt.26 Um den unteren Teil der Urkunde zu verstärken und ein Einreissen des Pergaments zu verhindern, wurde der gefährdete Teil häufig umgebogen, so dass eine sogenannte «Plica» entstand. Der Pergament- streifen wurde dann durch das doppelte Pergament gezogen. Gelegent- lich wurde anstelle eines Pergamentstreifens auch eine Schnur verwendet. Dies war z.B. bei den Ablassbriefen von 1298 und 1325 der Fall27 oder dann, wenn die Urkunde aus mehreren Bogen bestand. Die Schnur wurde dann durch den Rücken der gefalteten Pergamentbogen gezogen.28 Wurde an einer Urkunde nur ein Siegel angebracht, so wurde dieses in der Mitte plaziert. Wurde eine Urkunde jedoch von mehreren Personen untersiegelt, so wurde in der Regel die gleiche Reihenfolge wie in der Intitulatio (Angabe der Namen und Titel der Aussteller am Anfang einer Urkunde) eingehalten, d.h. mit dem vornehmsten Siegel links beginnend. Für Papier waren Wachssiegel zu schwer. Zwar wurde am Anfang offensichtlich auch versucht, Wachssiegel auf Papier aufzudrücken,29 doch hielten diese Siegel schlecht und bröckelten ab. Papier- und Lacksiegel hingegen konnten problemlos auf ein Blatt Papier gedrückt werden. Unter dem Sammelbegriff «Papiersiegel» werden alle Siegel verstanden, bei denen der Abdruck in ein Papierblättchen geprägt wurde, das mit Hilfe von Wachs, Lack oder einer Oblate (d.h. einer dünnen, aus Mehl hergestellten Scheibe) auf dem zu besiegelnden Schriftstück angebracht wurde.30 Die Papierblättchen sind meist in einem stilvollen, häufig stein- oder rhombenförmigen Muster zuge- schnitten. Leider ist das Relief der Papiersiegel häufig unscharf. In unseren Archiven befinden sich sehr frühe Beispiele von Papiersie- 26 Die beiden Enden des Pergamentstreifen wurden zwischen einen oberen und unteren Wachsklumpen, die «Schale» und die «Platte», gelegt und durch den Stempeldruck mit dem Siegel vereinigt. Brandt, Werkzeug, S. 169. 27 Urkunden von 1298 März (PfA SU 1) und 1325 April 6 (PfA Be U 1). 28 Urkunde von 1603 Juli 21 (GAPU 5). 29 Ein Wachssiegel von Jakob Sprysser (Nr. 146) wurde auf Papier aufgedrückt. 30 Hollenstein/Liesching. Pfäfers, S. 50. 38
        

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