Eine weitere Besonderheit sind die Vormundschaftssiegel. Sowohl unter den Grafen von Sulz (Nr. 255) als auch unter den Grafen von Hohenems (Nr. 257, 258) gab es vormundschaftliche Regierungen. Diese Siegel zeigen neben dem Wappen der Landesherren die Wappen der Vormünder. In der Siegelumschrift wird daraufhingewiesen, dass es sich um Vormundschaftssiegel handelt. 4. MATERIAL, BEFESTIGUNG. SCHUTZ, FARBE UND GRÖSSE DER SIEGEL Bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren alle Siegelabdrücke aus Wachs. Der Bestand dieser Wachssiegel war aber stets gefährdet, sei es dass die Oberfläche beim Gebrauch abgeschliffen oder dass die Siegel durch das Altern und Austrocknen brüchig und spröde wurden. Da reines Bienenwachs zu weich und zu wenig haltbar war, wurden verschiedene Zusätze beigemischt. Die genaue Zusammensetzung der Siegelstoffe der hier behandelten Siegel wurde nicht untersucht, da dies eine Beschädigung der Originale bewirkt und kaum zusätzliche Erkenntnisse gebracht hätte. Aufgrund von alten Rezepten zur Siegelwachsherstellung23 ist bekannt, dass der Grundstoff Bienen- wachs durch die Vermischung mit verschiedenen Harzen gehärtet wurde. Ausserdem wurden Fette, Öle oder Terpentin beigemischt, um den Stoff geschmeidiger zu machen und damit einen guten Abdruck zu ermöglichen. Durch andere Zusätze erhielten die Siegel eine bestimm- te Färbung.24 Einen unbekannten Stoff enthalten die harten, ziegelro- ten Siegel der Kardinäle und Bischöfe an den Ablassurkunden von 1298 und 1325. Die Art der Befestigung der Siegel an den Urkunden wurde weitgehend von den verwendeten Schreibstoffen bestimmt. Die Wachssiegel an den Pergamenturkunden sind meist «angehängte» Siegel:25 Am unteren Rand der Urkunde wurde ein waagrechter 23 Vgl. dazu Ewald, Siegelkunde, S. 155 ff. 24 Diederich, Rheinische Städtesiegel, S. 62. 25 Für die verschiedenen Befestigungsarten hat sich eine bestimmte Terminologie eingebürgert. Vgl. dazu Ewald. Siegelkunde S. 165: Brandt. Werkzeug, S. 169. Neben den «angehängten» und «aufgedrückten» Siegeln hat es in den liechtenstei- nischen Archiven noch einige «eingehängte» Siegel der Stadt Augsburg (Nr. 262). 37
        

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