Erkenntnisse über die Siegelstempel zu gewinnen, doch zeigen sie umgekehrt, dass die bisher in der Literatur dargestellten Erkenntnisse auch für unseren Raum zutreffen.20 Die Siegelstempel waren meistens verhältnismässig dünne Bronze- oder Messingplatten, in die auf der Prägeseite das Siegelbild seitenver- kehrt eingeschnitten wurde. Für Signete wurden häufig auch Siegelrin- ge mit einer kleinen Metallplatte oder einem geschnittenen Stein benutzt. Um die Handhabung zu erleichtern, hatten manche Stempel auf der Rückseite einen Griff. Die Siegelstempel wurden von Goldschmieden hergestellt, seit dem Ende des 16. Jahrhunderts mehr und mehr von Graveuren. Leider haben die Siegelstecher nie die Möglichkeit genutzt, auf dem Stempel ihren Namen oder ihre Initialen einzugravieren, so dass heute nicht mehr festgestellt werden kann, wo und von wem die Stempel hergestellt wurden. Mit Sicherheit wurden die Stempel aber nicht auf dem Land, sondern in den Städten hergestellt. In unserer Region sind in folgenden Städten Goldschmiede nachgewiesen, die vermutlich mit unseren Siegeln in einen Zusam- menhang zu bringen sind: Chur (für die Siegel der Churer Bischöfe und Äbte von Pfäfers und St. Luzi), Feldkirch (für die Siegel aus Vorarlberg und Liechtenstein), Bregenz, St.Gallen usw.21 Bei der Herstellung von Siegelstempeln wurden zwei Techniken angewandt. Bei der ersten wurde das Bild mit einem Stichel direkt in die Metallplatte eingegraben. Bei der Anwendung dieser Technik wurde nicht selten das N seitenverkehrt dargestellt (z.B. bei Kaspar Kindle Nr. 154). Bei der zweiten Methode wurde zuerst ein Modell (in Wachs, Gips, Holz oder Ton) hergestellt und von diesem dann ein Metallabguss gemacht, dessen Feinheiten noch mit dem Stichel bearbeitet werden konnten. Diese Technik wurde vermutlich vor allem bei grösseren und komplizierten Stempeln angewandt. Gele- gentlich wurden wohl auch beide Techniken nebeneinander benutzt: Während für das Siegelbild ein Modell hergestellt wurde (das dem Auftraggeber im voraus gezeigt werden konnte), wurde die Umschrift direkt eingegraben. 20 Vgl. dazu die Ausführungen bei Ewald, Siegelkunde. S. 141 IT. 21 Angaben über Goldschmiede in unserer Gegend sind zu finden bei Hans Rott, Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen Kunstge- schichte im 15. und 16. Jahrhundert. I. Bodenseegebiet. Stuttgart 1933. 34
        

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