Landammänner in fremder Sache: Die Parteien regelten ihren Fall selbst, und dem Landammann kam dann nur die Aufgabe zu, mit seinem Siegel den Spruch zu «beurkunden». Als Beispiel dafür eine Siegelankündigung aus einem Vergleich in einem Waldnutzungsstreit von 1620: «Unnd dess zu wahrem urkhundt die siben geschworne bayder gmainden Eschen und Bendern unnd so wolen geschworenen von Rugel an Stadt der gmainden mit sonderm vleiss und ernst gebetten unnd erbetten den ersamen weisen Lenhardt Brendlin, der zeit landaman der herrschafft Schellenberg, dass er sein aigen insigel für unss, all unser erben offenlich hieran gehenkt hatt».15 Mit dem Aufkommen von absolutistischen Tendenzen seit dem 17. Jahrhundert suchten die landesherrlichen Beamten die Siegelkompe- tenz der Landammänner wieder einzuschränken. Es ist auffallend, dass im 17. Jahrhundert wichtige Streitfälle von den landesherrlichen Beamten entschieden wurden und die betreffenden Urkunden auch von diesen besiegelt wurden. Nach der Erhebung der beiden Herr- schaften Vaduz und Schellenberg zu einem Reichsfürstentum Liech- tenstein wurde die Institution der Landammänner 1719 aufgehoben. Den Amtleuten, die die 6 neu gebildeten Ämter leiten sollten, wurde kein ausdrückliches Recht zum Siegeln in fremder Sprache zugestan- den.16 Dass die Landammänner auch dieses Recht entschlossen verteidigten, geht daraus hervor, dass im «Verfassungskompromiss» von 1733 nicht nur die Institution der Landammänner wieder eingeführt wurde, sondern diesen auch ausdrücklich das Recht zugestanden wurde, Verträge zu siegeln.17 Nicht zuletzt ging es dabei um die Siegeltaxe, das sog. «Siegelgeld», das von den Landammännern für jedes Siegel erhoben werden durfte. Zweifellos hätten auch die Beamten ihre Besoldungen dadurch gerne etwas aufgebessert. Der Streit um diese Siegeltaxe ging offenbar weiter. Ein paar Jahre später fand es eine fürstliche Kommission jedenfalls nötig, die Beamten daraufhinzuweisen, dass «einem jeweiligen Landtamman das behöri- ge Sigelgelt überlassen» werden müsse.18 15 1620 April 23.GARU 8 16 LLA RA Dienstinstruktion von 1719, Caput IV, § 3. 17 Vgl. dazu auch Alfons Feger. Fürst Josef Wenzel Liechtenstein. In: JBL 1921, S. 96. 18 LLA RA Fasz. I, unnum.: Commissionalresolution vom 19. 11. 1736 - 17. 1. 1737. 31
        

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