genheiten. Ihnen ist der Rang und der Charakter von offiziösen Verhandlungen im päpstlichen Auftrag zuzubilligen. 5. Einzelne Mitglieder des Hauses Liechtenstein waren bei diesen offiziösen päpstlichen Verhandlungen ohne weiteres zu einer völligen Verzichtleistung ihrer Souveränitätsrechte zugunsten des Hl. Stuhles bereit. Dazu zählte der Regierende Fürst Johannes II. Dieses Faktum rückte das ganze Projekt in die Nähe der tatsächlichen Realisierbarkeit. Dass diese Familienmitglieder spä- ter wieder von dieser damals bekundeten Haltung abrückten, tut der Historizität keinen Abbruch. 6. Nach dem Angebot des Papstes und seines Kardinalstaatssekretärs, des gewiegten Kanonisten Pietro Gasparri, sollte der regierende Fürst von Liechtenstein nach der Übertragung der Souveränitäts- rechte an den Hl. Stuhl von diesem als Reichsverweser eingesetzt und in den Rang eines Kardinalbischofs gehoben werden. Beides sollte erblich bzw. vererbbar sein. 7. Von seiten des Hl. Stuhles bestand weder ein Interesse an den Gütern und Liegenschaften des Hauses Liechtenstein, noch war daran gedacht, dass der Papst oder die Kurie oder Teile der Kurie nach Liechtenstein übersiedelten. Man war einzig an den vollen und echten Souveränitätsrechten interessiert. Auch Pläne für einen vorübergehenden Aufenthalt des Papstes in Liechtenstein bei Gefahr im Verzug lassen sich in den zugänglichen Archivalien nicht nachweisen. 8. Das Projekt Liechtenstein scheiterte daran, dass es von den massgebenden Mitgliedern des Hauses Liechtenstein, zu denen der regierende Fürst Johannes II. nur bedingt zählte, abgelehnt wurde. Der Hauptgrund für die Ablehnung war, dass von diesen Mitglie- dern weder in der Funktion des päpstlichen Reichsverwesers noch im Rang des Kardinalbischofs ein Äquivalent für den Souveräni- tätsverzicht bzw. -verlust gesehen wurde. 9. Dadurch, dass der päpstliche Unterhändler die streng geheim und vertraulich geführten Verhandlungen bloss vier Jahre danach der Öffentlichkeit rudimentär mitteilte, geriet das ganze Projekt in den Parteienstreit. Erzbergers zahlreiche Gegner und Feinde gössen viel Spott und Hohn über ihn und dieses Projekt, was bis auf den heutigen Tag selbst auf die wissenschaftlichen Abhandlungen abfärbt. 246
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.