3. RESÜMEE Aufgrund der vorhandenen und bereits zugänglichen Quellen sowie der seriösen Literatur lässt sich über das Projekt, die Souveräni- tät des Hl. Stuhles durch die Übergabe des souveränen Fürstentums Liechtenstein an den Papst zu sichern, folgendes feststellen: 1. Das Projekt Liechtenstein lag eindeutig und unabstreitbar inner- halb der vom Vatikan Ende 1915/Anfang 1916 aufgestellten Leitsätze zur Lösung der schon über vier Dezennien anstehenden Römischen Frage. Diese Leitsätze kristallisierten sich in dem Nukleus, dass der Hl. Stuhl möglichst rasch die volle und echte Souveränität erlangen solle. 2. Die Haltung bzw. die Politik des Hl. Stuhles um die Jahreswende 1915/16 war von zwei Faktoren massgeblich beeinflusst: a. Durch den Kriegseintritt Italiens im Mai 1915, was die fluchtartige Abreise der Botschafter und Gesandten der Mittel- mächte beim Hl. Stuhl ob des aggressiven Verhaltens der Römer zur Folge hatte. b. Zu diesem Zeitpunkt war im Vatikan der Artikel 15 des Londoner Abkommens bekannt geworden, der lautete: «Frank- reich, Grossbritannien und Russland verpflichten sich, Italien in seinem Vorhaben, nicht zu gestatten, dass Vertreter des Heiligen Stuhles an der diplomatischen Aktion bezüglich des Friedens- schlusses und der Lösung der mit dem Kriege verbundenen Fragen teilnehmen, zu unterstützen.»55 3. Wenngleich es höchstwahrscheinlich zutrifft, dass das Projekt Liechtenstein auf Erzberger zurückzuführen ist und er derjenige war, der es in Vorschlag brachte, so besteht kaum Zweifel, dass Papst Benedikt XV. dieses Projekt gebilligt, befürwortet und Erzberger ein Verhandlungsmandat mit detaillierten Richtlinien erteilt hat. Spätestens seit diesem Zeitpunkt, der mit Ende März/Anfang April 1916 anzusetzen ist, war das Projekt Liechten- stein keine Privatidee und Privatangelegenheit Erzbergers mehr. 4. Erzbergers Verhandlungen in Wien im April 1916 mit der fürstlichen Familie Liechtenstein, ebenso seine Unterhandlungen mit Teilen der kaiserlichen Familie Österreichs (Parma-Gruppe) wie auch seine Inanspruchnahme des Wiener Kardinals für entsprechende Sondierungsgespräche waren keine Privatangele- 245
        

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