Meinung schriftlich rückfragte. Piffl Hess den Thronfolger am 26. Mai wissen, dass er das Ganze nun «für eine Alogie» halte und er keinerlei Interesse dafür mehr aufbieten werde, «solange nicht ein direkter Auftrag von Rom komme».51 Der kam aber nicht. Statt dessen teilte Gerlach dem päpstlichen Unterhändler am 9. Mai 1916 mit: «Man hat aber hier die Ansicht, dass aus der Sache nichts mehr wird. Vor allem darf an eine Teilung Liechtensteins] nicht gedacht werden, da ja das sonst überhaupt kein souveräner Staat mehr wäre, sondern ein lächerliches Gebilde. Die Sache wäre schön gewesen, wenn das Haus Liechtenstein] freiwillig das Fürstentum angeboten hätte, so wie die Sache aber jetzt steht, ist es besser, dieselbe fallen zu lassen, da sonst daraus noch Schwierigkeiten für die Kirche entstehen können. Haben Sie also die Güte und schreiben Sie in diesem Sinne an den Herrn Cardinal.»52 Für den österreichischen Kaiser verfasste Erzberger trotzdem noch eine 12 Seiten umfassende Denkschrift53 in der Meinung, das Projekt noch retten zu können. Für die Kurie fasste er das Ergebnis seiner Verhandlungen in Wien mit der fürstlichen Familie Liechtenstein folgend zusammen: «1. Die Familie Liechtenstein ist zum Verzicht auf ihre Souveränität im Gebiet des Fürstentums bereit, wenn die Souveränität erhalten bleibt. 2. Zur Erhaltung der Souveränität des Hauses Liechtestein sind zwei Wege möglich: entweder Teilung des Fürstentums, was ich aber vorher erst ablehnte wegen der internationalen Schwierigkeiten und weil ich auch nicht wusste, wie Seine Heiligkeit darüber denkt, (oder) 3. Erweiterung des Fürstentums durch Zuschlag von liechtensteini- schen Gütern; das letztere kann Österreich allein machen, und zwar, da das Parlament nicht tagt, im Wege einer Notverord- nung.»54 Im Vatikan reagierte man auf diesen Bericht realistisch und legte das Projekt Liechtenstein zu den Akten. Für uns Grund genug, um Erzbergers weiteren Aktivitäten in dieser Causa nicht mehr länger nachzugehen. 244
        

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