Botschafter in Petersburg gewesen war, erläuterte dem päpstlichen Unterhändler auch seine Gründe: 1. Er wolle nicht auf die Souveränität verzichten. 2. Die Abtretung Liechtensteins nütze seiner Heiligkeit nichts, da Italien seine Souveränität nicht anerkennen werde. Es könnte ja heute schon seine Souveränität anerkennen. 3. Das Land Liechtenstein werde auch gegen eine solche Abtretung sein. Über den weiteren Gesprächsverlauf berichtete Erzberger: «Ich schlug ihm vor, ob es nicht möglich sei, dass eines der Liechtenstein- schen Güter, die in Österreich liegen, zum Fürstentum Liechtenstein geschlagen werden könne, dass diese Güter dann dem Haus Liechten- stein verbleiben und nur das heutige Fürstentum abgetreten wird. Dann wäre Seine Heiligkeit souverän und das Haus Liechtenstein würde seine Souveränität behalten, auf den Gütern, die jetzt durch einen Akt des Kaisers von Österreich zum Fürstentum geschlagen würden.» Hierauf erwiderte Prinz Franz, dass dadurch seine Hauptbe- denken zwar beseitigt seien, trotzdem halte er «aber diesen Plan nicht für durchführbar».47 Am Tag darauf, am Ostermontag, besuchte Prinz Franz den Wiener Kardinal, der sich in dieser Causa wunschgemäss stark engagiert und als Vermittler exponiert hatte. Prinz Franz erklärte gleich eingangs dem Kardinal, um den offiziellen Charakter seiner Vorsprache hervorzuheben, er komme im Auftrage des regierenden Fürsten, und er teilte ihm definitiv mit, «dass Liechtenstein nicht an den Papst abgetreten werden könne».48 Erzberger wusste hierüber nach Rom noch zusätzlich zu berichten, Prinz Franz «sei schroff und hochmütig gewesen und der Kardinal habe sich verletzt gefühlt».49 Damit war das Projekt unwiderruflich gescheitert. Doch Erzber- ger war von der Idee derart gefangen und von ihrer Realisierbarkeit so sehr überzeugt, dass er ihr Scheitern nicht wahrhaben wollte. Selbst das Wort des Kardinals, mit dem dieser nach der ungnädigen Vorsprache von Prinz Franz dem päpstlichen Unterhändler gegen- über das ganze Bemühen resümierte, «es hat so schön angefangen und nun ist alles zu Ende»,50 schlug Erzberger in den Wind. Er verstand es im weiteren Verlauf auch noch, über hochfürstliche Damen des Kaiserhauses sogar den Thronfolger Erzherzog Karl für den Plan zu interessieren, der wiederum beim Kardinal um seine 243
        

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