dessen Sekretär über Darstellungen, die Erzbergers Berichte teils ergänzen, teils unterstreichen. Über die Verhandlungen Erzbergers mit der fürstlichen Familie Liechtenstein gibt es im Liechtensteinischen Landesarchiv zwar einen archivalischen Niederschlag, der aber bedauerlicherweise erst vier Jahre später entstand und eindeutig apologetisch bis polemisch gefärbt ist. Die Schriftstücke,35 vornehmlich Briefe, sind nämlich als Reaktion auf Erzbergers gedruckte Erlebnisberichte36 entstanden. Sogleich nach seiner Ankunft in Wien begab Erzberger sich am Montag, dem 17. April, als offiziöser vatikanischer Unterhändler ins erzbischöfliche Palais. Während der Sekretär des Kardinals in seinem Tagebuch vermerkt, Erzberger sei am Vormittag bei Piffl «in Angele- genheit der Orientmission»37 gewesen, was beweist, dass der Kardi- nal auch seiner nächsten Umgebung gegenüber zunächst strenge Diskretion wahrte, erfahren wir aus Erzbergers Diarium Näheres über sein Gespräch. Er informierte Piffl über den Inhalt des Gerlach- Briefes, d.h. über die Haltung der höchsten kirchlichen Stellen zum Projekt Liechtenstein. Und «Kardinal Piffl fand den Plan ausgezeich- net und sagte zu, alles zu tun, was in seiner Macht stünde», berichtete Erzberger nach Rom. Piffl versprach auch, sogleich am nächsten Tag Gräfin Aloisia Fünfkirchen, «die Schwester des Fürsten Liechtenstein, zu informieren», Hess aber Erzberger nicht in Un- kenntnis, dass er den Eindruck gewonnen habe, die Familie Liechten- stein mache Schwierigkeiten.38 Nun begann ein ganzer Gesprächsrei- gen mit diversen Mitgliedern des Hauses Liechtenstein und anderen illustren Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft, zu denen neben dem Provinzial der Jesuiten P. Graf Andlau vor allem Teile der kaiserlichen Familie, wie die Schwiegermutter des Thronfolgers Karl und dessen Gattin, die spätere Kaiserin Zita39, einfach Parma-Gruppe genannt, zählten. Die Quellenlage hierüber ist derart gut, dass ein detail- und facettenreicher Gesprächsbericht geboten werden könnte. Doch sei nur das Wesentliche gewissermassen als Substrat referiert: Bei der Gräfin Fünfkirchen40 fand der Kardinal, wie er schon befürchtet hatte, «kein geneigtes Ohn> und stiess auf Argumente gegen das ganze Projekt, mit denen er augenscheinlich überhaupt nicht gerechnet hatte, «dass dann die Liechtensteiner nicht mehr in souveräne Häuser als Ebenbürtige einheiraten könnten»,41 weil sie nur noch Statthalter seien. 241
        

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