vom 4. April 1916 forderte er ihn auf, «nochmals nach Wien» zu Unterhandlungen zu reisen und «dann einen Vertragsentwurf anzufer- tigen» und ihn dem Hl. Vater zur Approbation einzusenden. «Zuerst aber müsse der Fürst von Liechtenstein mit dem Vertragsentwurf einverstanden sein.» Wenn die Kurie und der Fürst den Vertragsent- wurf «approbiert haben, dann soll der Fürst das anfangs angeführte Schreiben an den Papst richten». Der Schlussatz dieses Briefes kündete davon, wie sehr man im Vatikan einerseits auf die Realisie- rung dieses Projekts und anderseits auf Erzbergers Verhandlungsge- schick setzte. Er lautete: «S.feine] H.[eiligkeit] vertraut auf Sie, dass Sie diese so wichtige Sache durchbringen.» Das war weit mehr als eine diplomatische Floskel. Sowohl im Eingang dieses wichtigen Briefes wie auch in der vorhin skizzierten Passage war davon die Rede, dass Erzberger bereits in Wien Gespräche geführt hatte. Nun gilt es, dieser Fährte nachzugehen und zu erkunden, ob sich Spuren hiervon und wenn ja, welche, in Wien vor dem 4. April, dem Datum besagten Briefes, finden. Derartige Sondierungsgespräche Erzbergers in Wien lassen sich im Bereich des Fürsterzbischofs Kardinal Piffl23 nachwei- sen. So führte er am 20. und 25. März mit dem Wiener Kardinal Gespräche, und am 31. März vermerkte dessen Sekretär24 in seinem Tagebuch, dass nach dem Scheitern diverser Kirchenstaatsprojekte «man an das Fürstentum Liechtenstein» denke. «Der Papst solle als Souverän und Liechtenstein als dessen Statthalter in diesem Lande gelten.» Der Wiener Kardinal war des weiteren überzeugt, dass die jüngste Aussprache, die der Nuntius Raffaele Scapinelli di Leguigno mit Kaiser Franz Joseph hatte, bereits «damit zusammenhänge»25 . Diese ersten Sondierungsgespräche Erzbergers in Wien scheinen so hoffnungsvoll verlaufen zu sein, dass er in seinem oben zitierten Brief an Gerlach vom 27. März ankündigte, er werde ihm «das Konzept über den Vertragsabschluss... in den nächsten Tagen», sobald er es fertig habe, nach Rom senden26. Gerlachs Antwortschrei- ben vom 4. April, in dem er darum bat, Erzberger möge mit dem Vertragsentwurf sich noch so lange Zeit lassen, bis der Fürst von Liechtenstein eindeutig sein Einverständnis erklärt habe, dürfte sich mit Erzbergers Vertragsentwurf27 und Begleitbrief vom 10. April gekreuzt haben. In diesem Schreiben Hess Erzberger den Privatsekre- tär des Papstes wissen, er habe zwar «einen Staatsvertrag aufgestellt», der sich in deutscher Sprache in der Anlage befinde, habe jedoch «die 237
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.