sogar fort: «Der Kernpunkt ist jetzt nur, ob Seine Heiligkeit wünscht, dass die Verhandlungen auf dieser Basis weitergeführt werden sol- len»19. Es spricht vieles dafür, dass dieses Projekt, dem Hl. Stuhl durch Abtreten des Fürstentums Liechtenstein an den Papst zu seiner angestrebten Souveränität zu verhelfen, Erzbergers ureigenste Idee war. Ebenso kann es sein, dass diese Idee spontan kreiert wurde bzw. aus heiterem Himmel kam20 und man im Vatikan zunächst völlig überrascht war. Fest steht hingegen, dass diesem Brief einerseits schon einiges - zumindest an Gesprächen - vorausgegangen sein muss und anderseits, dass man im Vatikan bei aller Überraschung für diese Idee weitestgehend disponiert war. Nur so wird es nämlich voll erklärlich, dass Erzberger bereits am 4. April eine Antwort von Gerlach erhielt, die die volle Zufriedenheit Papst Benedikts XV. mit diesem grossarti- gen Projekt, das eigens als das Erzbergers bezeichnet wurde, aus- sprach. Gerlach beeilte sich auch, Erzberger wissen zu lassen, dass er niemand in die Sache einweihen möge, «ausser denjenigen Persön- lichkeiten, die zur Erreichung des Zieles absolut eingeweiht werden müssen. Die Verhandlungen müssen so geheim geführt werden, dass eines Tages einfach, wenn alles erledigt ist, die ganze Abtretung usw. veröffentlicht wird.» Dann gab Gerlach grundlegende Direktiven, wie Erzberger die Verhandlungen des weiteren anzustellen habe. Der regierende Fürst von Liechtenstein müsse ein Schreiben an den Papst richten, in dem er den Heiligen Vater bitte, sein Fürstentum «als Geschenk für die Hl. Kirche . . . anzunehmen.» Das Fürstentum «müsste als Gabe an den Apostelfürsten und an die Römische Kirche und insbesondere an den jeweiligen regierenden rechtmässig gewähl- ten Papst gemacht werden».21 Die Haltung der römischen Kurie, insbesondere des Papstes, zum Liechtenstein-Projekt als solchem fasste er in die Worte: «Der Plan ist grossartig, da dann mit einem Mal die vielen Schwierigkeiten betreff Anerkennung der päpstlichen Souveränität wegfallen und der Papst so wie alle anderen territorialer Souverän sein wird.»22 Ganz offen- sichtlich lag dieses Projekt Liechteinstein somit innerhalb der vom Vatikan aufgestellten Prinzipien, wie sie die «Neuen Zürcher Nach- richten» am 4. März auf ihrer Titelseite veröffentlicht hatten. Gerlach Hess Erzberger des weiteren wissen, dass man im Vatikan «der Weiterentwicklung der Dinge mit grosser Spannung» entgegensehe, «vor allem ... ob der Fürst dafür zu haben ist». Im selben Schreiben 236
        

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