erzählen sie die merkwürdigsten alten Sachen u. Märchen, besonders wenn sie bei Gelegenheit bei einem Glas Most oder Brenz sitzen u. wenn man dann so zuhorchen könnte ohne, dass sie mich sehen würden so würde ich Wunderdinge [2] vernähmen aus alter Zeit. Ich will Sie nicht verlassen, verlassen Sie mich auch nicht, wenn ich schon saumselig bin, es kann etwa besser werden. Es freut mich sehr dass Sie gesund sind u. ich wünsche Ihnen im neuen Jahr viel Glück u. Gesundheit u. danke Ihnen für alles was Sie mir zugesendet haben. Nebst Gruss Hochachtungsvoll Ergebenst Laurenz Feger Curat Caplan DER SAGENSAMMLER Mit dieser Antwort dokumentiert Kaplan Feger seine Aufnahme- fähigkeit für mündliche Geschichten, seinen Sinn für lebendiges Erzählen. Indem er mit gleicher Post nur gerade eine Erzählung (von einem alten Mann mitgeteilt) übersendet, qualifiziert er sich als seriöser Feldforscher. Naive Vermittler haben nicht selten Lokalzei- tungen, Hauskalender, Lesebücher oder Schwanksammlungen durch- kämmt, um den Erzählvorrat zu vergrössern und die Erwartungen des Herausgebers zu erfüllen. In der geographischen Abgeschiedenheit seines Wirkungsortes Gurtnellen war die Auswahl an Druckschriften ohnehin bescheiden, Falschmeldungen verboten sich von selbst. Das nötige Rüstzeug präsentierte Alois Lütolf mit seiner theoretischen Schrift Über Sagen und Mährchen. Auch ein Ruf: zur Sammlung! (1859)18 sowie mit der ersten Lieferung seiner Sagensammlung (1862)19. Für diese Zusendungen nebst weiteren Separata bedankt sich Kaplan Feger in seinem Brief. Die Seelsorge führte ihn im weitver- zweigten Kirchspiel herum, und bei diesen amtlichen Gängen ergab sich wohl öfters Gelegenheit, eine volkskundliche Frage in ein 18 A. Lütolf: Über Sagen und Mährchen. Auch ein Ruf: zur Sammlung! In: Katholische Schweizer-Blätter für Wissenschaft und Kunst 1 (1859), S. 689-708 und 732-739. 19 A. Lütolf: Sagen [...]. Luzern 1862. VI+80 S. Die erste Lieferung diente als Muster und Anregung, sie wurde 1865 dem Hauptteil vorangebunden. 223
        

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