SCHWÄBISCHE CHRONIK, gedruckt 1485 und 1486 in Ulm," berichtet von einem Heinrich von Schellenberg, der als Wappen eine silberne Fahne in Schwarz führte. Nun hat sich Thomas Lirer nie des besten Rufs erfreut. Schon der Verfasser der Zimmern'sehen Chronik, Graf Froben Christian, schrieb im Jahre 1559, dass Lirer «wunderbar- lich und ohne alle Ordnung fabuliere».20 Josef Zösmair, der Vorarl- berger Historiker, urteilt härter, denn er bezeichnete 1886 die Schwäbische Chronik als «Machwerk, bar aller Kenntnisse von der wirklichen Geschichte». Denn Lirer habe ihm Vertrautes und Bekanntes, «Geschlechter, Landschaften, Burgen und Orte, wie einen Brei durcheinanderrührend und in willkürlichen Zusammenhang bringend» niedergeschrieben.21 Aber gerade die Tatsache, dass er ihm Vertrautes und Bekanntes verwendet hat, um daraus eine neue Geschichte zu schaffen, machen Lirers Schwäbische Chronik für die Lokal- und Regionalgeschichte heute noch wertvoll. Dieses Werk «teilt zur Frühgeschichte vieler Adelsgeschlechter zwischen Rätien und Franken Details mit, die anderswo nicht überliefert sind».22 «Wenn sich Lirers Phantasie von irgendwelchen Traditionen einengen Hess, waren es genealogische und heraldische Überlieferungen. Die Adelsfamilien, Wappen und Burgen des süddeutschen Gebiets, vor allem jene des Bodenseeraums, kannte Lirer wahrscheinlich aus eigener Erfahrung».23 Die Schwierigkeit bei der Verwendung der Schwäbischen Chronik als Geschichtsquelle liegt darin, Daten und Fakten aus dem, was Zösmaier «einen Brei» nannte, herauszufischen und in die richtige Ordnung zu bringen. Mit den Verhältnissen der Grafen von Werdenberg war Lirer vermutlich besonders gut vertraut, sagt er doch von sich: «. . . dann ich auch meins gnedigen Herren von Werdenberg Knecht bin gewesen».24 Diese Bemerkung verdient eine 19 Thomas Lirer: Schwäbische Chronik, Herausgegeben und eingeleitet von E. Thurnher. In: Vorarlberger Schriften Band 8, Bregenz 1962. Zum Druckdatum: Rolf Köhn: Der Bauernaufstand von 922 bzw. 992 in Thomas Lirers Schwäbischer Chronik. In: Zeitschrift f.d. Geschichte des Oberrheins 132 (1984), S. 58 und 69. 20 Rolf Köhn, wie Anm. 19. S. 72. 21 Rolf Köhn, wie Anm. 19. S. 74. 22 Rolf Köhn, wie Anm. 19. S. 63. 23 Rolf Köhn. wie Anm. 19, S. 99. 24 Rolf Köhn, wie Anm. 19, S. 77, Anm. 79. 89
        

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