te, bevorzugte man im Süden das naturalistische, vor allem das vegetabile.144 Weinreben ranken sich um die Säulen des Grotenrather Altars, allerdings in noch streng symmetrischer Weise. Die Kapitelle schmückt der Akanthus, das elegante, reichgegliederte, scharfgezahn- te Blatt des Bärenklau.145 Fruchtschalen stehen auf ornamental gestalteten Sockeln über der Gebälkzone der Muschelnischen. Am Segmentbogen des Portals sind Fruchtbündel befestigt. Es ist dies das im heissen Orient geborene Bild einer paradiesischen Wunschland- schaft in ornamentaler Abkürzung. Seit dem 4. Jahrhundert strebte das Christentum danach, in seinen Bauwerken den Himmel, das Paradies, darzustellen und in der Kirche zu vergegenwärtigen. Das Leitbild war ein wunderbarer Garten, «in dem goldenes Licht und Purpurröte strahlten, mit Blumen und Palmen bepflanzt, von klarem Wasser durchrieselt, von friedlichen Tieren belebt.»146 Im 16. und 17. Jahrhundert waren Fruchtschalen und Fruchtbündel an die Bedeu- tung der Opfergabe und des Weihezeichens gebunden.147 Das Orna- ment in der sakralen Kunst hat also von jeher auch eine tiefere religiöse Bedeutung. SCHLUSSWORT UND AUSBLICK Der Grotenrather Altar ist in dieser Abhandlung als Gesamtkunst- werk unter verschiedenen kunstgeschichtlichen Aspekten gesehen und gewürdigt worden. Es war nicht immer leicht, in ihm das barocke Kunstwerk zu erkennen. Dennoch wurde er herausfordernd als Zeugnis barocker Altarbaukunst bezeichnet. Dies erscheint weder überheblich noch ungerechtfertigt, wenn man bedenkt, dass es die Meister des Altarbaus waren, die dem Barock in Deutschland zum Sieg über die so lange anhaltenden Einflüsse der Gotik verholfen 144 Dazu näher: Richard Hoffmann, Der Altarbau im Erzbistum München und Freising in seiner stilistischen Entwicklung vom Ende des 15. bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, Dissertation, München 1905, S. 57 fl". 145 Zum Akanthusblatt: Franz Sales Meyer. Handbuch der Ornamentik. II. Aufl.. Leipzig 1922, S. 45 fl". 146 Zitat: Günter Bandmann. Ikonologie des Ornaments und der Dekoration, in: Jahrbuch Tür Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft. Bd. 4. 1958/59, S. 244. 147 Zum Ganzen: Günter Bandmann (N 146), S. 244 f. u. 254. 69
        

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