heiligen Apostels eine qualitätvolle Skulptur, die wohl beste unter den Grotenrather Altarfiguren ist. Körper, Gebärde und Gewand sind Ausdruck einer einheitlichen aktiven Bewegung. Durch das Ausgrei- fen der Hände, durch die Bauschung und tiefe Unterschneidung des Gewandes wird der plastische Körper bedeutend erweitert. Das Statuarische der Gestalt gleitet ins Malerische des Barock. Denn der malerische Reichtum eines plastischen Objekts hängt allein ab von seinem plastischen Reichtum.138 Gesteigert wird die malerische Wirkung dieser Heiligenfigur durch ihre Farbigkeit. (4) Hl. Stephanus Die vierte und letzte Skulptur des Altarmittelstücks stellt den Hl. Stephanus dar (Abb. 19,20). Der Hl. Stephanus war noch während des ersten Apostelamtes des Hl. Petrus zum Diakon gewählt worden. Als er in Konflikt mit den gesetzesstrengen Juden geriet, wurde er vom Hohen Rat zum Tode verurteilt und von der aufgebrachten Volksmenge ausserhalb der Stadttore Jerusalems gesteinigt. Er war der erste Blutzeuge Christi und wird deshalb von der Katholischen Kirche als Erzmärtyrer besonders verehrt. Einer augustinischen Tradition gemäss wird Stephanus in der christlichen Kunst stehts als jugendlicher Diakon dargestellt.139 So soll nach der Legenda aurea140 der Kirchenlehrer Augustinus gesagt haben: «In Stephanus war Schönheit des Leibes, Blüte der Jugend...» Jugendlich erscheint auch der Hl. Stephanus am Grotenrather Altar. Doch zeigt er nicht die Schönheit, von der Augustinus spricht. Und das rückt die Skulptur in die Nähe barocker Kunst. Denn der Barock war es, der sich vom Ideal der Renaissance, der Verherrli- chung der menschlichen Schönheit, abwandte zugunsten einer tiefe- ren seelischen Durchdringung des Menschen. Der leidgeprüfte Ge- 138 So: Walter Thomae(N 121), S. 16. 139 Zur Ikonographie des Hl. Stephanus: Heinrich Detzel (N 107), Bd. 2, S. 642-646; Karl Künstle (N 125), Bd. 2, S. 544 - 547; Joseph Braun (N 107), Sp. 675 - 678. - Zur Vita ausführlich: Rudolf Schuhmacher, Der Diakon Stephanus, Dissertation, Münster 1910. 140 Legenda aurea (N 125), S. 537. 66
        

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