Altarbeispiele, so verwendet auch der Grotenrather Hochaltar das in der Renaissance entwickelte Schema der Ädikula, einer Portalarchi- tektur bestehend aus Sockel, seitlichen Pilastern oder Säulen und gekröntem Gebälk.115 Das Grundschema ist hier dergestalt modifi- ziert, dass man von einem Triumphbogenschema sprechen kann. Im Gegensatz zu Erasmus Kerns kurz zuvor geschaffenem Hochaltar in der Pfarrkirche zu Levis (1648), wo der Bogen unter dem Hauptgebälk liegt, hat er beim Grotenrather Altar die Gebälkzone durchbrochen. Gotische Reminiszenzen begegnen dem Betrachter in der Monstranz- form des Retabels sowie in der Liebe zum Detail, welche die einheitlich architektonische Durchgestaltung des Aufbaus behindert. Und doch, durch das ausgewogene Höhen-Breiten-Verhältnis wirkt der Altar kompakt. Die Vertikaltendenz ist mit der Horizontalen harmonisch verbunden. Eine Spannung im Aufbaugefüge erzeugen die gestuften tragenden und lastenden Linien. Bewegung fliesst durch die Rundungen der Volutenkonsolen, der Arkaden, des Torbogens und sammelt sich in der geschlossenen Kreisform des Tondos, einer Form der italienischen Renaissance.116 Das Ganze ist nicht mehr nur Schauwand. Die sich dem Betrachter entgegenwölbenden Voluten, die hervortretenden, stufenweise zurückgesetzten Säulen und Pfeiler wie auch die Muschelnischen erwecken den Eindruck räumlicher Tiefe, der durch die perspektivische Wirkung des früheren Tafelbildes und die Form des ursprünglichen Tabernakels verstärkt wurde. 2. DIE FIGÜRLICHE PLASTIK Die Aufmerksamkeit gilt nunmehr der figürlichen Altarplastik. Zunächst sollen die den Skulpturen gemeinsamen Stilmerkmale aufgezeigt werden. Sodann folgt eine nähere Beschreibung der Einzelfigur. 115 Zum Typ des Ädikula - Retabels: Joseph Braun. Artikel «Altarretabel. In der katholischen Kirche», in: Otto Schmitt (Hrsg.). Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Bd. 1, Stuttgart 1937, Sp. 544 ff.; Richard Zürcher (N 98), S. 55 f. 116 Zu letzterem: Moritz Hauptmann, Der Tondo. Ursprung, Bedeutung und Geschichte des italienischen Rundbildes in Relief und Malerei, Frankfurt/Main 1936, S. 13. - Diese Gestaltung des Abschlusses ist ein Charakteristikum auch anderer Altarkompositionen Kerns. Man vergleiche den bereits erwähnten Hochaltar und die Seitenaltäre in Levis. 53
        

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