Die frühbarocke Altarbaukunst in Süddeutschland äussert sich in einer vielfältigen Formensprache. In dem Ringen der verschiedenen Stile bleibt jeder Vorstoss barocken Geistes ein Wagnis. Doch spürt man in der ersten Hälfte des Jahrhunderts schon den barocken Formwillen, der dann am Ende der zweiten Hälfte in spezifisch reine Formen mündet. Der Grotenrather Altar ist, wie sich nun zeigen wird, ein weiterer Wegbereiter, Teil des Auftakts zum grossen Schauspiel. V. DIE BETRACHTUNG DES GROTENRATHER ALTARS ALS GESAMTKUNSTWERK Das Altarretabel, vor allem das barocke, ist ein Gesamtkunstwerk, ein Zusammenklang von Architektur, Ornament, Skulptur und Malerei. Seine Würdigung bedarf der Berücksichtigung aller beteilig- ten Töne. 1. DER AUFBAU DES ALTARS Das fünf Meter hohe und vier Meter breite Holzretabel (Abb. 1) gliedert sich in einen Unterbau, ein fünfteiliges Mittelstück und eine abschliessende Bekrönung. Der Aufsatz zeigt eine dunkelbraune Übermalung, von der sich die vergoldeten Ornamente abheben. Die bereits freigelegte Figur des Hl. Jakobus d. Ä. erstrahlt in ihrer ursprünglichen, polychromen Fassung, in der vormals das ganze Altarwerk leuchtete. «Die Polychromie macht im Barock Exzesse. Ein Attribut geht allen voran: Gold. Gold überschwemmt die barocken Erscheinungen.»105 Der Predella zwischen zwei ausladenden Volutenkonsolen vorge- baut steht auf der Mensa der kastenförmige Tabernakel mit ziborien- artigem Aufbau. Die silberfarbenen, kunstreich gearbeiteten Taberna- keltüren aus Metall zeigen die Verkündigung an Maria durch den Erzengel Gabriel. Gabriel steht im Redegestus als voll erwachsener Jüngling, mit einer Tunika bekleidet, vor der knienden Maria, über der die Taube des Hl. Geistes schwebt. Wie bereits erwähnt, ist der ursprünglich dem Altar zugehörige Tabernakel in Grotenrath umge- 105 Zitat: Wilhelm Hausenstein, Vom Genie des Barock. München 1956, S. 40. 48
        

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