frühbarocken Chorraum des Freisinger Doms. «Seine besonderen Vorzüge sind: gute Verhältnisse, klarer architektonischer Aufbau, vornehme Verzierungen und die meisterlichen Figuren St. Korbinian und St. Sigismund von Philipp Dirr.»101 Im Freisinger Dom war ein Altarwerk entstanden, das als Vorbild weithin ausstrahlte. Auch Martin Zürn hatte dieses Werk wohl vor Augen, als er um 1645/50 den Hochaltar der Pfarrkirche in Burgkirchen schuf. Die architektoni- sche Strenge dieses Altars erweckt den Eindruck von Festigkeit und Monumentalität. Allerdings ist die Gesamtwirkung gestört durch das später eingefügte Altarblatt, welches zu tief herabreicht. Diesen in Ansätzen strengen Barock zeigt auch schon der Taubenbacher Hochaltar Martin und Michael Zürns (1640 - 43). Festgelegte Proportionen und ein ganz bestimmtes Verhältnis der Skulptur zum architektonischen Gerüst kennzeichnen diese Stilstufe des Barock.102 Zur klassischen Ausgewogenheit des Burgkirchener Altars ein krasser Gegensatz: der Hochaltar in St. Gallen an der Mattig (1645), wiederum ein Werk der Brüder Michael und Martin Zürn. Was dort fein und vornehm erscheint, wirkt hier temperamentvoll und derb. Man könnte von barockem Realismus sprechen.103 «Hier lebt nicht allein der expressive Manierismus, der an seinen zierlichen Formen den Ausdruckswillen des Barock zu dekorativem Spiel in den Gewandformen zwingt. Hier ist das barocke Leben zu Kraft des Ausdrucks und des Körpers, zu raumschaffender Gebärde er- wacht.» 
104 101 Zitat: Leo Weber, Die Neugestaltung des Domes unter Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh, in: Joseph A. Fischer (Hrsg.), Der Freisinger Dom. Beiträge zu seiner Geschichte. Freising 1967, S. 190. Dazu auch: Eugen Abele/Georg Lill, Der Dom zu Freising, Freising 1951, S. 20 f.; Karl Feuchtmayr, Der Bildhauer Philipp Dirr aus Weilheim. Sein Verhältnis zur bairischen Skulptur des frühen 17. Jahrhunderts, in: Das Münster. 6. Jahrg. 1953, S. 146 f.; Sigmund Benker (N 94), S. 69 - 85. 102 Vgl.: Gudrun Rotter(N 95), S. 45. 103 Ähnlich auch: Hans Möhle, Die Bildhauerfamilie Zürn. II. Martin und Michael Zürn. Michael Zürn d. J. Beiträge zur Geschichte der süddeutschen Barock- plastik, in: Jahrbuch der Preussischen Kunstsammlungen, Bd. 53, Berlin 1932, S. 29 f.; Heinrich Decker, Barockplastik in den Alpenländern, Wien 1943, S. 27 f. 104 Zitat: Heinrich Decker (N 103), S. 28. 47
        

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