grafschaft Hohenems erschloss den Feldkircher Künstlern die südli- che Umgebung ihrer Heimatstadt. Die geeinigte emsische Macht erreichte unter Graf Kaspar ihren Höhepunkt.82 Sein stetes Bemühen um Neutralität verhinderte grössere Auswirkungen des Dreissigjähri- gen Krieges sowie der Graubündner Wirren vor allem in den Gebieten Vaduz und Schellenberg, die besonders unter Truppendurchzügen und Einquartierungen zu leiden hatten.83 So verarmte die Bevölke- rung nicht in dem Masse, wie es in den meisten deutschen Landstrichen seinerzeit der Fall war. Dies wiederum begünstigte die Feldkircher Künstler und ermöglichte, dass Erasmus Kern um die Mitte des 17. Jahrhunderts mehrere Altaraufträge aus Liechtenstein erhielt, darunter auch die Eschener Bestellung. IV. EINE KURZE BESINNUNG: DIE FRÜHBAROCKE ALTARBAUKUNST IN SÜDDEUTSCHLAND Nun, nachdem die Person des Bildhauers Erasmus Kern beleuch- tet worden ist und bevor sein Altarwerk selbst Gegenstand der Betrachtung sein wird, soll noch ein Blick geworfen werden auf die zeitgenössische Altarbaukunst im süddeutschen Raum. 1. ENTWICKLUNGSLINIEN DER DEUTSCHEN BAROCKKUNST Der Grotenrather Hochaltar entstand in einer Zeit, die stilge- schichtlich gesehen zum deutschen Frühbarock zählt. Allerdings: «Was wir Stile nennen, sind Perspektiven, unter denen wir Heutige verwickelte Lebensvorgänge uns vereinheitlichen. Die Namen, die wir für sie, schwankend und wechselnd, verabreden, täuschen nur eine Eindeutigkeit vor. die nie vorhanden war.»84 Das gilt in 81 Siehe: Pierre Raton, Liechtenstein. Staat und Geschichte. Vaduz 1969, S. 17; Yvonne Sperger (N 2), S. 30 m. weit. Nachw. 82 Dazu: Karl Heinz Burmeister, Geschichte Vorarlbergs. München 1980, S. 121 ff. 83 Vgl.: Yvonne Sperger (N 2), S. 30. 84 Zitat: Wilhelm Pinder (N 78), S. 4. Gegen einen Stilbegriff rein mechanistischer Art jüngst noch eindringlich: Martin Gosebruch, Epochenstile - historische Tatsächlichkeit und Wandel des wissenschaftlichen Begriffs, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte, Bd. 44,1981, S. 9 -14. 40
        

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