Bereits den Ausführungen Pfarrer Cremers ist zu entnehmen, dass bei der «Instandsetzung» des Hochaltars keine Fachkräfte hinzugezo- gen wurden. Dies bestätigen auch Aussagen älterer Dorfbewohner, wonach allein der Pfarrer sowie ein Schreiner des Ortes den Altar hergerichtet haben. Über die recht laienhaften Ausbesserungsarbeiten hinaus nahm man tiefgreifende Veränderungen vor, auf die bei der Beschreibung des Altars näher eingegangen wird. An dieser Stelle aber sei erwähnt, dass auch die Bekrönung mit der Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit (Abb. 19) zunächst vom Altar getrennt wurde, weil diese ein Gemälde auf der Rückwand des Chores - es zeigte die Auferstehung Christi - verdeckte. Der Amtsnachfolger Cremers, Pfarrer Franz Calles, fand die Altarbekrönung im Herbst 1939 auf dem Kirchenspeicher. Man brachte diese wieder am Altar an, da sie nun nicht mehr als störend empfunden wurde. Im Februar desselben Jahres war das Gotteshaus nämlich von dem Kirchenmaler Kalff aus Aachen neu ausgemalt und das Christusbild dabei überstrichen worden.46 Im Zuge der Kirchenausmalung erhielten der Altar wie auch Chorgestühl, Kommunionbank, Beichtstühle und Kanzel eine ein- heitlich bräunliche Übermalung, die den Altar heute noch entstellt. Diese Massnahme entsprang wohl der Kunstanschauung des 19. Jahrhunderts, die in ländlichen Gebieten noch sehr lange nachgewirkt hat. Die irrige Vorstellung, die antike als die allein vorbildliche Kunst sei farblos gewesen, führte dazu, dass eine vielfarbige Architektur und Plastik verachtet wurde. «Noch schlimmer als der Klassizismus ver- fuhr das 19. Jahrhundert, das vielfach die Marmorierung mit einer Eichenholzmaserung überzog, oder sonst stumpfe, schmutzige Töne bevorzugte.»47 Seit geraumer Zeit schon hat man Anstoss an der Übertünchung des Hochaltars genommen, doch erst im Jahre 1983 wurde beschlossen, den Altar einem Restaurator zu übergeben. 46 Zur Ausmalung der Kirche und Wiederanbringung der Altarbekrönung: Chronik (N41), S.42 u.49. 47 Zitat: Franz Graf Wolff Metternich (N 32), S. 87. Zu diesem Phänomen ebenso: Richard Klapheck, Farbige Baukunst und Wiederherstellung alter Bauwerke, in: Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 17. Jahrg. 1924, S. 69 f.; Cornelius Gurlitt (N 32), S. 106. 29
        

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