keineswegs ein Vorwurf gemacht, war er doch ein typisches Kind seiner Zeit, in der man Burgenrenovationen noch auf viel breiterer Ebene betrieb, als wie dies heute der Fall ist. Das Schloss Gutenberg muss man als Zeitdokument sehen, welches seine geschichtliche Begründung hat. HAUS BECKAGÄSSLE NR. 10 IN VADUZ In der Zeit, als Rheinberger mit dem Wiederaufbau von Gutenberg beschäftigt war, wurden auch auswärtige Bauaufträge an ihn herange- tragen. Es handelte sich dabei um bürgerliche Landhäuser , die den Architektur-Autodidakten vor eine gänzlich neue Situation stellten. Seine bisherigen Leistungen, wie bei den Burgen Liechtenstein, Kreuzenstein und Gutenberg sowie beim Umbau des Roten Hauses in Vaduz waren historische Nachempfindungen. Bei den Landhäusern hingegen fand Rheinberger zu einem eigenen, der damaligen Wohn- kultur entsprechenden gestalterischen Vokalbular. Er entwickelte dabei eine Bauweise, die nicht unbeeinflusst vom Bauen in den Nachbarländern war. Naturstein oder verputztes Mauerwerk in Verbindung von Teilen von Holz, sei es als Schindelverkleidung oder als sichtbares Strickwerk kennzeichnen solche Häuser. Rheinberger schloss sich damit jener Bauweise der Jahrhundertwende an, die allgemein unter dem Begriff «Heimatstil» bekannt ist. Darunter versteht man eine städtische Interpretation ländlichen Bauens. 1906 trat Rheinbergers Vetter, Prof. Ferdinand Nigg,1 der damals in Köln an einer Kunstgewerbeschule unterrichtete, mit der Bitte an den Bildhauer heran, ihm in Vaduz, im Beckagässle einen Atbau umzugestalten und diesen mit einem Anbau zu versehen. In der nun folgenden Zeit stand Rheinberger mit seinem Vetter in wiederholtem Briefverkehr, um ihm über den Bauhergang zu berichten. Nigg äusserte anscheinend immer wieder neue Wünsche, was die Fertigstel- lung des Hauses auf mehrere Jahre hinauszögerte. Trotz der beständi- 1 Anton Frommelt, Prof. F. Nigg, JBL, Bd. 50, S. 41 ff. E. Kliemand: Ferdinand Nigg, Bildteppiche, Malerei, Grafik. Paramentik, Verlag Benteli, Bern 1985. 208
        

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