Unter dem Eindruck des Klassizismus hat das 19. Jahrhundert den Barock einseitig von der Renaissance her gesehen und als deren Dekadenzprodukt bewertet. Noch zur Zeit Heinrich Wölfflins, der in seinem 1888 veröffentlichten Buch «Renaissance und Barock» den Barock als autonomes künstlerisches Stilphänomen erkannt hatte, wertete die internationale Forschung barocke Kunst als entartete Fortsetzung der Renaissance.31 Der Purismus des 19. Jahrhunderts verbannte den Barock aus der gotischen Kirche.32 Dabei sind die besten Ausstattungsstücke durch den Kunsthandel oft abgewandert, zu Preisen, die zum Wert in keinem Verhältnis standen.33 Dass der ehemalige Eschener Hochaltar in den Kunsthandel geriet, legt eine Verkaufsanzeige im Vörarlberger Volksblatt, Nr. 86 und Nr. 87 aus dem Jahre 1893 (Abb. 6) nahe. In dieser Anzeige 31 Hierzu: Hans Tintelnot, Zur Gewinnung unserer Barockbegriffe, in: Rudolf Stamm (Hrsg.). Die Kunstformen des Barockzeitalters, München - Bern 1956, S. 13 f., 23 f. u. 48 IT.: Michael Kitson (N 20), S. 10. - Wie lange sich diese Kunstauffassung in entlegeneren Gebieten gehalten hat, zeigt sich bei Josef Grabherr (N 29), S. 51. der noch im Jahre 1919 schreibt: «So mußte auch die Renaissance, nachdem sie ihren Werdeprozeß durchgemacht und im St. Peters- dom ihre höchsten und gewaltigsten Triumphe gefeiert, naturnotwendig der Auflösung in ihre Abarten des Barocks, Rokokos und Empires und zuletzt dem Untergang entgegengehen». 32 Dazu: Cornelius Gurlitt, Die Pflege der kirchlichen Kunstdenkmäler, Leipzig 1921, S 110; Edmund Renard, Wiederaufstellung von abgebauten Barockaltären, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege, 3. Jahrg. 1927. zugleich Heft I der Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 20. Jahrg. 1927, S. 66; Franz Graf Wolff Metternich. Instandsetzung von Barockalta- ren, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege. 4. Jahrg. 1928, zugleich Heft 3 der Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 21. Jahrg. 1929, S. 83; Felix Kuetgens, Der Grotenrather Hauptaltar, in: Aachener Volkszeitung v. 28.5.1949. S. 4 (Aufsatz auch nahezu vollständig abgedruckt, allerdings ohne Verfasserangabe, in: Festschrift «75 Jahre Kirchenchor St. Cäcilia Grotenrath», Grotenrath 1975, S. 23 f.). 33 Hierzu wiederum: Erwin Poeschel (N 3), S. 56 u. 58. Zum Verkauf sakraler Kunstgegenstände, exemplarisch dargestellt am Rheinland, siehe: Edmund Renard, Verkauf kirchlichen Kunstbesitzes, in: Jahrbuch der rheinischen Denk- malpflege, 1. Jahrg. 1925, zugleich Heft 1 der Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, 18. Jahrg. 1925, S. 124 -127 (125). 23
        

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