als Privatmann sein Leben weiterzuführen. Er übernahm die Aufsicht über den väterlichen Besitz und fasste wieder Fuss in der Heimat nach der langjährigen Abwesenheit. Die Übersiedlung in das dörfliche Milieu von Vaduz bedeutete für den «Weltenbummler» keineswegs eine Umstellung, hatte er sich doch in all den Jahren im Auslande sein bodenständiges Wesen bewahrt und den Kontakt zum Fürstentum immer gepflegt. Vereinzelt mag er vielleicht durch einen noch aus der Münchner Zeit anhaftenden bohemienhaften Habitus aufgefallen sein. So erklärt sich folgende Begebenheit: Während eines spätabend- lichen Heimganges zwischen Balzers und Vaduz - er war damals gerade mit dem Bau von Gutenberg beschäftigt - erregte er durch seine nicht ortsübliche Kleidung - er trug um den Hals einen roten Schal - die Aufmerksamkeit des Dorfpolizisten. Dieser vermutete, eines verdächtigen Subjektes habhaft geworden zu sein und hiess ihn auf die Wachstube mitzukommen. Rheinberger, dem diese Verwechs- lung sichtlich Vergnügen bereitete, machte keine Anstalten, seinen Namen zu nennen. Zur Klärung der Sachlage führte man ihn dem damaligen Landesverweser Karl von In der Maur vor, der den Bildhauer erstaunt und amüsiert mit den Worten begrüsste: «Oh, Herr Rheinberger, was verschafft mit die Ehre?» Obwohl sesshaft gewor- den, zog es Rheinberger wiederholt in die Ferne. So unternahm er z.B. mit seinem Studienfreund Georg Wrba, der ihn des öfteren von München aus in Vaduz besuchte, eine Fusswanderung über Graubün- den ins Südtirol. Hier faszinierten ihn in erster Linie die mittelalterli- chen Burgen. Eindrücke dieser Reise hielt er in Skizzen fest. Schriftliche Unterlagen über Rheinbergers Leben in Liechtenstein sind nur sehr wenige vorhanden, so dass der weitere Verlauf seines Lebens nur in sehr groben Zügen nachvollzogen werden kann. Der Verfasser stützte sich dabei im wesentlichen auf mündliche Aussagen seiner beiden Söhne Jng. Peter Rheinberger und Dr. Rudolf Rhein- berger. Vermutlich noch unter dem Eindruck des erfolgreich abge- schlossenen Turmbaues an der Burg Liechtenstein in Maria Enzers- dorf erwog er im Jahre 1902, bald nach seiner Heimkehr, den Erweiterungsbau an seinem Elternhaus. Damit begann Egon Rhein- bergers Bautätigkeit auf heimatlichem Boden. Hier sollten in den nun folgenden Jahrzehnten weitere seiner architektonischen Ideen zur Ausführung gelangen. Nebst den Entwürfen zu den jeweiligen Bauten, kümmerte er sich auch um deren Innenausgestaltung. Hierfür 133
        

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