dürfte ich Ihnen aber dennoch rathen Florenz noch einmal anzuse- hen, aber in einer anderen Jahreszeit als ich, es ist in den letzten Tagen sehr warm hier. Ich war bis jetzt schon in Verona, Padova, Venedig, Bologna und Pistoja, hier bin ich einen Monat, morgen fahren wir auf sechs Tage nach Pisa und dann wieder zurück nach Florenz, vielleicht bis mitte Juli bleiben wir hier. Wir haben noch sehr vieles zu sehen und die Zeit ist leider zu kurz. Es hat jeder von uns schon 40 Skizzen. In der angenehmen Hoffnung, dass Sie sich wohl befinden erlaube ich mit vielen Grüssen zu zeichnen Ihr dankbarer Neffe Egon. Bitte auch Olga herzlich zu grüssen.» (Florenz, den 30. Mai (?) 1897)2 Egon Rheinbergers Ansichtskarten und Briefe aus Italien geben einen bunten Überblick seiner Eindrücke von Land- schaft und Kunstwerken der von ihm besuchten Stätten. Man spürt aus den Zeilen die Begeisterung und Aufnahmebereitschaft Rheinber- gers den neuen Erlebnissen gegenüber. In der Begegnung mit alten Bauten und Kunstwerken wurden Zeichenblock und Bleistift oft herangezogen, um Chatakteristisches festzuhalten. Im Juli trafen Rheinberger und Wrba über Rom in Neapel ein. Seiner Familie schrieb er beeindruckt von einem Besuch im Nationalmuseum, wo die Skulpturensammlung sein besonderes Interesse erweckte. Aber auch von weniger angenehmen Eindrücken weiss er in erheiternder Weise zu berichten: «...Neapel ist die grösste Stadt von Italien, gegen 600'000 Einwohner, aber meistens Lumpen und Gesindel, ja habt Ihr noch nie solche Leute gesehen mit solchen Hudeln, sie sind sehr oft bis zu . . . Jahr ganz nackt. Wenn ich zum Fenster hinaus- schaue, bin ich sicher, jemand auf der Strasse scheissen zu sehen, deswegen schaut niemand um. Die Häuser sind sehr hoch und stark bewohnt. Die Strassen sehr eng, bis auf einige Hauptstrassen. Auf der Srasse lebt der Neapolitaner überhaupt. Da wird gewaschen, geflickt, gelaust, gekocht und dabei geschrien, dass es für uns Deutsche kaum zum Ansehen ist. . . » (Neapel, 15. Juli 1897, Brief an die Familie).3 Die Hitze und der Schmutz in der Stadt, vor allem aber der Umstand, dass zu diesem Zeitpunkt dort viele Menschen an Malaria erkrankten, veranlassten Rheinberger und Georg Wrba Neapel nach drei Wochen 2 AF Rh 3 AF Rh 121
        

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