nach München.15 Von all dem Gesehenen dort beeindruckte ihn am meisten der Stephansdom. Am 31. 12. 1892 starb Tante Fanny, welche viele Jahre in Egon Rheinbergers Leben eine bedeutende Rolle eingenommen hatte. Durch ihren Tod versiegt eine wichtige Informationsquelle über die nun folgenden Jahre des Kunststudenten an der Münchener Akade- mie. Dank der spärlich erhaltenen Korrespondenz Rheinbergers, können wir, wenn auch sehr lückenhaft, seinen weiteren Weg in München nachvollziehen. Bald nach dem Dahinscheiden von Tante Fanny übersiedelte Egon Rheinbergers Schwester Olga nach München, um für den verwitweten Onkel zu sorgen. In humorvollem Ton erwähnt sie Egon in einem Brief an seinen Vater: «... Olga sieht jetzt auch wieder sehr gut aus, warum sollte sie ja nicht. Bei dieser Kost und ihrer Beschäftigung kann sie eine sehr alte Jungfer werden und bekannt ist sie schon mit der halben Stadt. Gekleidet ist sie auffallend wie Tante selig. Ich weiss nicht, trägt sie die Sachen mit Erlaubnis vom Onkel oder bildet sie sich ein, es müsse so sein ...» (25. April 1893).16 Auf der Akademie befasste sich Rheinberger zu dieser Zeit hauptsächlich mit dem Modellieren von Aktstudien. Er beteiligte sich auch an einem Bildhauerwettbewerb. Zu Beginn seines dritten Studienjahres - es war dies auch das Todesjahr seines Vaters, welcher am 19. August 1893 starb - wurde er zum ersten Mal von seinem Professor mit einer selbständigen Arbeit betraut. Als Thema wählte er sich einen geharnischten Ritter. Dieser stellte laut Beschrei- bung des jungen Bildhauers eine sitzende Figur in Bronzeguss dar, welche in der rechten Hand eine Streitaxt hielt, während die linke sich auf eine Urkunde stützte. Zur gleichen Zeit arbeitete er auch an der Skulptur eines hl. Sebastian. Es folgten noch drei weitere Jahre des Studiums. Im Abschlusszeugnis vom 1. Oktober 1896 heisst es: «Herr Egon Rheinberger aus Vaduz hat die Akademie als Studierender der Natur- und Komponierschule des unterfertigten Professors der Bildhauerkunst während sechs Jahren von April 1890 15 JRhA 16 AF Rh 116
        

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