DER LOKALISIERUNGSBERICHT Der Bericht von Georg Hauer ist keine abgerundete Beschreibung des Fürstentums Liechtenstein. Bei der Arbeitsweise Hauers war dies wohl auch nicht möglich: Er arbeitete (und schrieb) ausserordentlich rasch, vieles skizzierte er bloss, manches tönte er nur an und behielt sich weitere mündliche Ausführungen vor. Der erste Teil des Berichts entstand am 30. Juni 1808 und umfasste 23 Seiten, der zweite Teil mit 9 Seiten am 4. Juli 1808. Zum Bericht gehörten ursprünglich eine ganze Reihe von Beilagen, von denen aber nur noch zwei vorhanden sind: die Erhebung über die Organisation und die Tätigkeit des Oberamtes vom 28./29. Juni und eine Zusammenstellung über die Fronpflichten. Der Bericht ist nicht nach einer strengen Systematik gegliedert, vielmehr berichtete Hauer in der Reihenfolge seiner Besichtigungen. Die Lokalisierung Hauers hatte aber System: Er wusste, worauf er zu achten und in welche Richtung er Fragen zu stellen hatte. Das grösste Gewicht mass Hauer den Fragen der herrschaftlichen Ökonomie bei. Ob es sich um den Weinbau, den Wald, die Lehen, die Zehentabgaben oder die landesherrlichen Regalien handelte: überall suchte er nach Möglichkeiten, den wirtschaftlichen Nutzen zu erhöhen. In diesen Belangen war er sehr genau und befasste sich auch mit Detailproblemen. Die Einstellung des alten Landvogts Menzin- ger, dass das Fürstentum Liechtenstein für das Fürstenhaus nur ein «Honorificum» sei und deshalb keinen Ertrag abwerfen müsse,17 erregte seinen Unmut. Herauszuheben ist aber auch seine grundsätzli- che Überlegung, dass die Verpachtung der fürstlichen Rechte und des fürstlichen Besitzes wohl die einfachste und gewinnbringendste Nutzung war, da dadurch der Aufwand sehr klein gehalten werden konnte: In dieser Einöde, meinte er, sei der trockene Zins schon immer der sicherste Gewinn gewesen.18 An die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten des armen -Ländchens mochte Hauer wohl nicht so recht glauben. 17 Bericht vom 30. Juni 1808, S. 3. 18 ebda. S. 10. 78
        

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