die Untertanen, deren Bitten und Beschwerden er sich anhörte. Er kam dabei zu einem für das absolutistische Zeitalter erstaunlichen Ergebnis: «Zwischen Obrigkeit und Unterthanen walten dermal keine Strittigkeiten ob.»2 Diese Feststellung beweist, dass Landvogt Menzin- ger bei der Durchführung von obrigkeitlichen Massnahmen darauf achtete, dass diese für die Bevölkerung akzeptabel waren. Er schuf sich keine Schwierigkeiten, indem er die Leute durch absolutistische Gebärden vor den Kopf stiess. Am 30. Juni schrieb er den ersten Teil seines Berichtes, den er nach Wien voraussandte. In den darauf folgenden Tagen besuchte er noch die Herrschaft Schellenberg. Am 4. Juli hatte er seine Lokalisie- rung abgeschlossen und schrieb den zweiten Teil seines Berichts. Am Tag darauf reiste er wieder ab. In Liechtenstein sprach sich rasch herum, dass ein hoher Besuch im Lande weilte. Die Leute wussten aber noch nicht, was dieser Besuch für sie bedeuten würde. Jakob Heibert schrieb in seiner Chronik: «Am 18. Brachmonat kam auf Vaduz der liechtensteinische Kanzlei-Hofrat von Wien Georg Hauer, der viele Sachen besichtigte und landschäftliche Beschwerden gehört hat. Nach einem 14tägigen Aufenthalt ist selber in die Schweiz gereist und hat in Bern etlich 40 Schweizerkühe gekauft.»3 Unüberhörbar kritische Töne schug ein paar Jahre später der Amtsbote Johann Rheinberger in seinem «Politischen Tagebuch» an: Georg Hauer bezeichnete er als einen Mann, «der die fürstlichen Schaafe (= die Untertanen, der Hrsg.) so gut zu bescheeren wusste als den besten Fürsten um die Wolle zu betrügen.»4 Weiter betitelte er Hauer und Schuppler als «Herren Staatsverderber»5 und als «zweifache Schurken, die den Staat um sein Eigenthum zu betrügen und auf Rechnung desselben die fürstlichen Privatrenten in einen höheren Ertrag zu bringen suchten.»6 Diese 1 Bericht vom 30. Juni 1808, S. 10. 2 Bericht vom 28./29. Juni 1808, Punkt 5. 3 Jakob Heibert: Chronik. Hrsg. von Johann Baptist Büchel. In: JBL1929, S. 128. 4 Johann Rheinberger: Politisches Tagebuch. Hrsg. von Rudolf Rheinberger. In: JBL 1958, S. 234. Die genaue Datierung des «Politischen Tagebuches» ist nicht möglich. Es enstand um 1815. 5 ebda. S. 237. 6 ebda. S. 236. 74
        

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